demokratischen Umtrieben aufmerksam zu machen“15 16. Die Bürgermeister nahmen sich daran ein Beispiel. Als der Tischler-Fachverein in St. Arnual eine Versammlung abhalten wollte, ließ Bürgermeister Fritsch „ unter der Hand dem Wirtb bekanntgeben, mit welchen Parteigenossen er sich eingelassen habe, worauf dieser die Hergäbe des Saa¬ les verweigerte”16. Die übrigen St. Arnualer Wirte verstanden den Wink und siehe da, alle Säle waren am fraglichen Tag zu klein, bereits belegt oder ähnliches. Daß die Unternehmer hinter den Behörden nicht zurückstanden, versteht sich von selbst. Am 14. Februar 1892 bildete sich ein Schreinermeisterverband in St. Arnual, der die Verabredung traf, keine Gesellen mehr einzustellen, die den Fachvereinen angehör¬ ten17 18. Im Sommer erweiterte er sich zu einem ,,Schreiner-, Glaser- und Zimmerer-Mei- ster-Verband“'s. 1892 stagnierte die Fachvereinsbewegung an der Saar. Zu- und Abgänge hielten sich die Waage, es kam lediglich noch eine neue Zweigstelle hinzu. Der Versuch, am 25. Mai einen ,,Fachverein der Maler, Anstreicher und Lackierer“ zu gründen, wurde unter¬ sagt, weil der Versammlungsraum nicht den Bestimmungen entspräche19. Am 28. Au¬ gust 1892 bildete sich dann unter Vorsitz von Michael Rothgerber eine Saarbrücker Fi¬ liale des ,,Deutschen Maurer-Verbandes“, die ein halbes Jahr später auch eine Zahl¬ stelle der ,,Privat-, Kranken- und Unterstützungskasse für Maurer, Stukkateure, Töp¬ fer und Weißbinder“ (Sitz Altona) initiierte20. Die Filialen der großen Gewerkschaften erreichten im Saarrevier lediglich ein beschei¬ denes Ausmaß. Eine Ausdehnung über die beiden Saarstädte hinaus erwies sich als un¬ möglich. Doch in diesen Zweigvereinen fand die anwachsende Sozialdemokratie des Reviers zunächst ihr wichtigstes Rekrutierungsfeld. Die hier organisierten Handwerks¬ gesellen waren auf ihrer Wanderschaft meist im Sinne der Sozialdemokratie beeinflußt worden, teilweise kamen sie bereits als Parteimitglieder an die Saar. 15 LR Bake/SB an RP vom 3. 3. 1892, LHAK 442/4376. 16 BM Fritsch/Brebach an LR vom 17. 3. 1892, KrASB S/7. 17 LR Bake/SB an RP vom 29. 2. 1892, Konzept KrASB S/7, Ausfertigung LHAK 442/4376. 18 Dto. vom 28. 6. 1892, Konzept KrASB S/7, Ausfertigung LHAK 442/4250. 19 Ebd. 20 Gendarm Hellmuth an BM Stürmer/VK vom 29. 8. 1892, KrASB S/6. Zur allgemeinen Ge¬ werkschaftsentwicklung in dieser Branche vgl. Fritz Paeplow : Die Organisation der Mau¬ rer Deutschlands von 1869 — 1899. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Maurerbewe¬ gung, Hamburg 1900. Ders. : Zur Geschichte der deutschen Bauarbeiterbewegung, Berlin 1932. Karl-Gustav Werner: Organisation und Politik der Gewerkschaften und Arbeitge¬ berverbände in der deutschen Bauwirtschaft, Berlin 1968. 157