aber auch Beleidigungsklagen waren die Folget Zwei Jahre später wirkte Dasbach an der Gründung des ,,Sozialpolitischen Vereins für den Industriebezirk Saarbrücken“ mit, der Material über die Lage der Bergarbeiter sammelte und Hitzes Zeitschrift ,,Ar¬ beiterwohl“ zur Verfügung stellte77. Gleichzeitig warnte man jedoch vor Streiks78, ver¬ folgte das ,,Prinzip der Versöhnung zwischen den einzelnen Klassen der Gesellschaft“79 und forderte die Beseitigung der Kulturkampfgesetze, da die Religion den besten Wall gegen den Sozialismus bilde56 60. Das Ergebnis war eine ungeheuere Popularität Das¬ bachs, der seit 1886 quasi zur Beschwerdeinstanz der Bergarbeiter wurde61. ,,Der Bau¬ er und Arbeiter folgte nur seinem Wink“**2, berichtete der Fraulauterner Bürgermeister über den späteren Trierer Weihbischof Feiten, der damals für die Dasbachpresse schrieb63. Dasbach handelte bei seinem Engagement für die Bergleute allerdings nicht ganz unei¬ gennützig. Im Grunde ging es ihm um die parlamentarische Eroberung der Saarkreise durch das Zentrum während der Abwesenheit Stumms im Reichstag. Denn das Saarre¬ vier hatte durch die Zuwanderung von Arbeitern zwar einen katholischen Bevölke¬ rungsüberhang, trotzdem wählte man mit Ausnahme des Wahlkreises Saarburg-Mer- zig-Saarlouis Vertreter der Regierungsparteien in die Parlamente. Der Kreis Saarbrük- ken mit seinen drei Saarstädten war eine Hochburg der Nationalliberalen, die 1885 ei¬ nen Wahlverein unter dem Vorsitz des Justizrats Boltz gegründet hatten64; Ottweiler- St. Wendel-Meisenheim galt als Domäne Stumms. Zur Reichstagswahl am 22. Februar 1887 schlossen sich die beiden konservativen Par¬ teien und die Nationalliberalen zum Kartell zusammen; in jedem Wahlkreis sollte dem¬ nach nur ein Anhänger des Septenats aufgestellt werden65. Für das Zentrum kandidierte Franz Hitze im Wahlkreis Saarbrücken. Dasbach wurde sein wichtigster Propagandist. Obwohl die Frage ,,Parlamentsheer oder Heer des Kaisers“ im Wahlkampf dominier¬ te, sprach Dasbach in allen Versammlungen auch über die Arbeiterschutzforderungen seiner Partei. Die Teilnehmer bestanden naturgemäß vorrangig ,,aus Angehörigen der ,niedersten' Arbeiterklasse“66. „Herr Dasbach sucht einen Haß zu wecken gegen jeden, der nicht zu seiner Partei gehört und nährt auf diese Weise sozialdemokratische Grund¬ sätze“67, schrieb der durchgefallene Reichstagskandidat René Boch anschließend dem Regierungspräsidenten, und Oberpräsident von Bardeleben forderte daraufhin den Bi¬ schof auf, „das wüste Treiben des Kaplan Dasbach ... einzudämmen“. Korum, eben¬ falls ein Exponent des intransigenten Flügels, lehnte ab; Dasbach sei ihm als Priester, nicht aber als Verleger unterstellt68. 56 Heitjan, S. 118. Fohrmann, S. 202. Vgl. PB vom 31. 10. 1886 (Nr. 44). 57 Gabel, S. 81. Beilot, S. 180. Thoma, S. 263. 58 Vgl. Saar-Zeitung vom 11. 5. 1886, zit. bei Heitjan, S. 119. 59 Vgl. Saar-Zeitung vom 13. 5. 1887, zit. ebd., S. 119. 60 Vgl. Heitjan, S. 115. E. Klein: Bergfiskus und Kirche, S. 181. 61 TLZ vom 15. 7. 1889 (Nr. 190). 62 BM Warlimont/Fraulautern an RP vom 24. 7. 1887, LHAK 442/9650, 269 — 272. 63 C. Weber, S. 174. 64 Beilot, S. 168. 65 Vgl. Bismarcks Sturz, S. 96-110. Zum allgemeinen Wahlverlauf vgl, Bellot, S. 172-176. 66 LR Voß/SB an RP vom 19. 3. 1887, LHAK 442/6660. Vgl. Georg Friedrich Dasbach : Die Reichstagswahl des Jahres 1887, Trier 1887. TLZ vom 16. 2. (Nr. 44) und 21.2. 1887 (Nr. 49). Fohrmann, S. 211 f. Heitjan, S. 126 f. Thoma, S. 253 f. Am Wahltag hielt sich Das¬ bach in Brebach auf, um Beweise für Wahlfälschungen durch Stumms Werksbeamte zu sam¬ meln, PB vom 13. 3. 1887 (Nr. 11). 67 Boch/Mettlach an RP vom 4. 3. 1887, LHAK 442/6660, 513. 68 Zit. bei C. Weber, S. 155. 92