bach (ist) entschieden der eifrigste und gefährlichste Hetzkaplan unseres Bezirks. Seine Thätigkeit als Drucker und Verleger ... ist wesentlich und leider mit Erfolg darauf ge¬ richtet, die katholische Bevölkerung gegen die staatlichen Behörden, Gesetze und An¬ ordnungen aufzuwiegeln und die katholischen Geistlichen in ihrem Widerstand und der Zuwiderhandlung gegen die kirchenpolitischen Gesetze zu stärken“*7. Ein Jahr später stieß Dasbach unmittelbar ins Saarrevier vor und gründete am 21. November 1884 die ,,St. Johanner Volkszeitung“, da ihm die Schreibweise der ,,Saar-Zeitung“ der preußi¬ schen Regierung gegenüber als nicht scharf genug erschien47 48. Die Auflage des neuen Blattes betrug 1889 1 750 Exemplare49 und steigerte sich auf 3 000 im Jahre 1895’’°; Bergleute und Hüttenarbeiter bildeten das Gros der Leserschaft'’1. Auch nach dem Ab¬ klingen des Kulturkampfes Mitte der 80er Jahre32 53 blieb Dasbach der typische Vertreter der sich abkapselnden katholischen Sonderkultur. ,,Die intransigente Richtung hatte zwar 1885 die Vorherrschaft eingebüßt, aber im Grunde genommen nur in den Bezie¬ hungen nach außen, zum Gegner, für die Verhandlungen. Der kirchliche und der staat¬ liche Innenraum blieben nach wie vor unter ihrem Einfluß“57*. Daß Dasbach noch Ende 1889 das Tragen des päpstlichen Ordens ,,Pro ecclesia et pontifice“ ,,mittels allerhöch¬ sten Erlasses“ verwehrt wurde54 55, bestätigt diese Feststellung Christoph Webers. Dasbach gründete zwar 1884 den ,,Trierischen Bauernverein“35, doch in das katholische Arbeitervereinswesen an der Saar schaltete er sich vor 1889 nur indirekt ein. ,,St. jo¬ hanner Volkszeitung“ und ,,Saar-Zeitung“ bemühten sich jedoch, den im Kultur¬ kampf gewonnenen Rückhalt in der Arbeiterbevölkerung nunmehr durch ein Aufgrei¬ fen sozialer Forderungen zu untermauern. Nach der Camphauser Katastrophe 1885 beschuldigten beide Blätter den Bergfiskus, zu wenig für die Sicherheit der Bergleute zu unternehmen. ,,Eine Menge anerkennender Zuschriften aus Bergmannskreisen“, 47 RP Nasse/Trier an OP vom 8. 3. 1883, LHAK 442/6430. Zu Dasbachs Presseprozessen vgl. Thoma, S. 171 - 174. 48 Vgl. Heitjan, S. 124 f. Thoma, S. 128 — 130. Fohrmann, S. 185 — 189, 259 — 261. 49 PB vom 29. 12. 1889 (Nr. 52). 50 TLZ vom 12. 1. 1895 (Nr. 20). 51 Fohrmann, S. 263. Zu Dasbachs weiteren Zeitungsgründungen vgl. ebd., S. 189 — 192. Thoma, S. 127— 145. 52 Vgl. Rudolf Lill: Die Wende im Kulturkampf. Leo XIII., Bismarck und die Zentrumspartei 1878 — 1880, Tübingen 1973. Johannes Heckei: Die Beilegung des Kulturkampfes in Preu¬ ßen, in: ZRG/KA 19 (1930), S. 215-353. 53 C. Weber, S. 189. Ähnlich Thoma, S. 258 — 261. 54 SBZ vom 14. 12. 1889 (Nr. 291). Vgl. Fohrmann, S. 238. 55 Vgl. Thoma, S. 193 — 243. Fohrmann, S. 192 — 201, 226 — 237. Erich Spengler: Die Entwicklung und Bedeutung des Trierischen Bauernvereins, Diss. Greifswald 1930. Georg Friedrich Dasbach: Der Wucher in den Dörfern des trierischen Landes, in: Der Wucher auf dem Lande (= Schriften des Vereins für Socialpolitik, Bd. 35), Leipzig 1887, S. 152 — 192. Ein Statutenexemplar findet sich im SANK, 30 M 1. Als Gegengewicht gründete der Merziger Landrat Knebel einen ,, Verein gegen Wucher an der Saar“. Selbst in seinem ,,Streifzug in das Gebiet des Zentrums“ konnte sich der unter dem Pseudonym ,,Trevir“ schreibende Sozialde¬ mokrat ein Lob nicht verkneifen: ,,Herr Dasbach, dessen politische Überzeugung aus einer ei- genthümlicben Mischung von klerikalen, konservativen, antisemitischen und klein b ärgerlich - demokratischen Ingredienzien besteht, verstand es, die wirthschaftlichen Interessen der Klein¬ bauern mit der religiösen Überzeugung derart zu verquicken, daß dem unlogischen Kopfe des Bauern das eine das andere zu decken schien. Er brachte es fertig, die Bauern in wirklichen Vereinen zu organisieren und hat trotz all seiner klerikalen Mucken und Schrullen in vielen Be¬ ziehungen aufklärend und kulturfördernd gewirkt, indem er den Bauer aus seinem lethargi¬ schen Stumpfsinn aufrüttelte und ihm seinen Knechtsinn den Beamten der Regierung gegen¬ über austrieb. Das Verdienst kann ihm nicht bestritten werden“, Die Neue Zeit 9 (1890/91), Bd. 1, S. 625 -635, Zitat S. 634. 91