hat der Landsmann allmählich seine Bedürfnisse bis auf das äußerste Maß einschränken und dennoch sich von wachsender Schuld nicht freihalten können“24, stellte der Merzi- ger Landrat Knebel 1882 fest, und ein Jahr später befand der Saarburger Ackerbau¬ schuldirektor Karteis: ,,Gering gerechnet feiern in jedem Dorf durchschnittlich 20 Männerkräfte ohne Arbeitsgelegenheit im Sommer, im Winter die dreifache Anzahl... Der Kleinbesitz würde der Industrie diese heute ganz oder halb feiernde Arbeiterzahl auch noch zuführen, wenn dieselbe Raum für sie hätte25. Lediglich in den 50er und 60er Jahren unternahmen die preußischen Saargruben einige Versuche zur Heranziehung fremder Bergarbeiter26. Doch diese, durch den Eisenbahn¬ boom motivierten Projekte scheiterten an der Niedriglohnpolitik und fehlenden An¬ siedlungsmöglichkeiten: ,,Nun haben wir alle abends trocken Brodt gegessen, weiter haben wir nichts, alle sind in dumpfer Verzweiflung, es hat keiner 1 Th. übrig im Mo¬ nat“, schrieb ein nach Dudweiler verschlagener Bergmann aus dem Harz 1 855 an seine Mutter. ,,Eh ich aber hier sterbe, und so eim Ort, lieber bettel ich mich nach Häufle“'7. Doch im Gegensatz zum Ruhrgebiet, wo die Ost-West-Wanderung einen strukturellen Bevölkerungswandel und eine Disproportionierung der Belegschaften bewirkte-4, konnte sich der Saarbergbau seitdem auf die Rekrutierung des einheimischen Nach¬ wuchses und der Jugend aus Hochwald und Westpfalz beschränken29. 24 E. K. Knebel: Des Kleinbauern Nothruf, Trier 1882, S. 3. Die durchschnittliche Besitzgrö¬ ße betrug damals 5 ha, vgl. ders . : Der Wucher im preußischen Saargebiete, in: Der Wucher auf dem Lande (= Schriften des Vereins für Socialpolitik, Bd. 35), Leipzig 1887, S. 121. 25 Karteis, S. 212, 204. Vgl. B ec k , Bd. 2, S. 216. Petersen : Die bäuerlichen Verhältnisse in der bayrischen Rheinpfalz, in: Bäuerliche Zustände in Deutschland, Bd. 1 (= Schriften des Vereins für Socialpolitik, Bd. 22), Leipzig 1883, S. 241 — 271. Otto Auhagen: Die ländi¬ schen Arbeiterverhältnisse in der Rheinprovinz und im Oldenburgischen Lürstentum Birken¬ feld, in: Die Verhältnisse der Landarbeiter in Deutschland, Bd. 2 (= Schriften des Vereins für Socialpolitik, Bd. 54/11), Leipzig 1892, S. 651 —765. 26 Vgl. LASB 563/3, Nrn. 34-36, 38, 39. E. Müller, S. 31-39. Bertram Hommen : Arme Winzer von Rhein und Ahr suchten Arbeit an der Saar, in: SBK 1981, S. 34-36. 27 Zit. bei Blickle, S. 302. 28 Vgl. Wilhelm Brepohl: Der Aufbau des Ruhrvolkes im Zuge der Ost-West-Wanderung. Beiträge zur deutschen Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (= Soziale Lorschung und Praxis, Bd. 7), Recklinghausen 1948. Erich Werner: Die Slowenen im Ruhrgebiet, in: Soziale Welt 9 (1958), S. 247 — 261. Hans-Ulrich Weh ler: Die Polen im Ruhrgebiet bis 1918, in: VSWG 48 (1961), S. 203 — 235. Christoph Kleßmann : Polnische Bergarbeiter im Ruhrgebiet 1870— 1945. Soziale Integration und nationale Subkultur einer Minderheit in der deutschen Industriegesellschaft {= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 30), Göttingen 1978. Klaus Tenfelde : Die „Krawalle von Herne“ im Jahre 1899, in: IWK 15 (1979), S. 71-104. 29 Vgl. Herbig: Arbeiterersatz, S. 1382 — 1384. Tabelle über Vermehrung und Verteilung der Belegschaft nach Verwaltungsbezirken 1859— 1909, ebd., S. 1389. Gronerad, S. 49. Zum Einzugsgebiet der Grube Dudweiler-Jägersfreude 1863 vgl. die Karte bei Blickle, S, 307. Zum Wandel der Berufsstruktur in Friedrichweiler 1831 — 1900 vgl. Isolde Burg-Lorson: Zur Lamilien- und Sozialgeschichte Lriedrichweilers — dargestellt aus Pfarr- und Zivilregi¬ stern vom Ende des 17. Jahrhunderts bis 1920, in: Peter Burg (Hrsg.): 250 Jahre Friedrichwei- ler, Lriedrichweiler 1975, S. 137 — 152, spez. S. 143 f. Zur Zuwanderung nach Wiebelskirchen im 19. Jahrhundert vgl. Lehn: Räumliche Bevölkerungsbewegung, S. 65 f. Zur Herkunft der Belegschaft der Grube Sulzbach 1875 — 1900 vgl. Maus, S. 24 f. Zum Arbeitereinzugsbereich der Grube Von der Heydt 1875 - 1910 vgl. Helmut L r ü h au f : Die wirtschaftliche und sozial- le Lage der Bevölkerung im 19. und 20. Jahrhundert. Die Bevölkerungs- und Wirtschafts¬ struktur, in: Ortschronik Riegelsberg. Entstehung und Entwicklung einer modernen Wohn- gemeinde, Riegelsberg 1980, S. 266-308, spez. S. 271 —286. Zum Arbeitereinzugsbereich der Gruben Heinitz, Dechen, König und Wellesweiler vgl. ders. : Eisenindustrie und Stein¬ kohlenbergbau im Raum Neunkirchen/Saar (= Forschungen zur deutschen Landeskunde, Bd. 217), Trier 1980, S. 199-205. 23