Einmischung zugunsten Pfalz-Birkenfelds verhindert würde, die Einrichtung einer kaiserlichen Sequestrationskommission78. Anfang 1727 nahm eine Kom¬ mission, die sich aus kurmainzischen und hessen-darmstädtischen Beamten zusammensetzte, ihre Arbeit auf; in ihren Aktionen war sie jedoch sehr vorsich¬ tig, denn für beide Reichsstände bedeutete es ein Wagnis, gegen Pfalz-Birken¬ feld, das ja die Unterstützung Frankreichs besaß, Schritte zu unternehmen79. Die Erbfolgefrage in Pfalz-Zweibrücken war noch immer nicht geklärt, als Gustav Samuel Leopold nach längerer Krankheit am 17. September 1731 starb. Der Reichshofrat, dem die Entscheidung in dieser Angelegenheit zustand, wollte einerseits Frankreich durch einen Beschluß gegen Pfalz-Birkenfeld nicht verärgern, war aber andererseits auch keineswegs bereit, die eigenen habsbur¬ gischen Interessen durch einen Entscheid gegen die kurpfälzischen Ansprüche zu verletzen80. Der Landgraf von Hessen-Darmstadt und der Abt von Fulda übernahmen im Auftrag des Kaisers die Sequesterverwaltung Pfalz-Zwei- brückens. Wien trat, nachdem Karl Philipp im Frühjahr 1729 eine Allianz mit Frankreich81 eingegangen war, noch weniger als bisher für die kurpfälzischen Ansprüche ein82; Frankreich konnte und wollte Pfalz-Birkenfeld nicht fallen lassen. Nach mehr als zweijährigen Verhandlungen brachte der Mannheimer Sukzessionsvertrag vom 24. Dezember 173 383 eine Einigung in der pfalz-zwei- brückischen sowie in der schon seit 1694 anstehenden pfalz-veldenzischen Erb¬ folgefrage; Christian III. von Pfalz-Birkenfeld trat die Nachfolge in Pfalz-Zwei¬ brücken an; das Amt Stadecken überließ er Kurpfalz. Bezüglich der veldenzi¬ schen Frage wurde der aktuelle Besitzstand84 anerkannt: Der pfälzische Kur¬ fürst behielt die seit 1697 besetzten Ämter Veldenz und Lauterecken; Lützel¬ stein und Guttenberg blieben bei Pfalz-Birkenfeld und Pfalz-Sulzbach. II Die Linie Birkenfeld in Pfalz-Zweibrücken und die Regierung Christians IV.(1740-1775) 1. Die Regierungsweise Christians III. und der Regentin Karoline Nach seiner Übernahme der Regierung am 15. Februar 1734 stand Christian III. vor der Schwierigkeit, zahlreiche Stellen in den Kollegien neu besetzen zu 78 Karl Philipp an Francken, Schwetzingen 13.6.1726. Der Kurfürst äußerte die Befürch¬ tung, daß Christian III. sich mit Hilfe Frankreichs in den Besitz von Pfalz-Zweibrücken bringen würde. GHA München KA 1668/1. 79 Siehe dazu Schmidt, Karl Philipp, S. 190: „Hessen-Darmstadt wollte deshalb auch noch zwei weitere Reichsstände in die Exekutionskommission einbezogen wissen". 80 Vgl. dazu baumann, Lebensgeschichte der Luise Dorothea Hoffmann, S. 60. 81 Zum Vertrag von Marly vom 15. Februar 1729 siehe Schmidt, Karl Philipp, S. 187. 82 Ebda., S. 190. 83 Der Vertragstext ist veröffentlicht bei faber, Staats-Cantzley LXV, S. 162-174; siehe dazu auch Lehmann, Vollständige Geschichte, S. 417. 84 Siehe dazu molitor, Urkundenbuch Zweibrücken, S. 206; bachmann, Pfalz Zwei- brückisches Staats-Recht, S. 127 f; gümbel, Geschichte des Fürstentums Pf alz-Veldenz, S. 330-340; lehmann, Vollständige Geschichte, S. 486-488. 148