die Erhebung von Luise Dorothea zur Gräfin in die Wege zu leiten in der Hoff¬ nung, den aus seiner Ehe hervorgehenden Kindern die Nachfolge zu sichern45. Dies war allerdings eine Frage, die gleichermaßen für Pfalz-Birkenfeld und für Kurpfalz von Interesse war. Wenn es nämlich dem pfalz-zweibrückischen Her¬ zog gelingen würde, beim Kaiser die Sukzessionsfähigkeit seiner eventuellen Nachkommen zu erreichen, dann wären die Anstrengungen der Birkenfelder wie der Neuburger Linie bezüglich der Erbfolge illusorisch gewesen. Deshalb taten Pfalz-Birkenfeld und Kurpfalz in getrenntem Vorgehen ihr Möglichstes - eine gemeinsame Protestaktion der beiden Höfe wäre bei dem gespannten ge¬ genseitigen Verhältnis unmöglich gewesen -, um eine Legitimierung von Gustav Samuel Leopolds Nachkommenschaft zu verhindern. So vereitelte der kurpfälzische Gesandte Freiherr von Francken in Wien die Bemühungen des Oberjägermeisters von Hoffmann46, am kaiserlichen Hof nicht nur eine Rang¬ erhöhung seiner Tochter, sondern auch die Anerkennung der Sukzessions¬ fähigkeit eventueller Nachkommen zu erreichen47. Zwar erhob ein kaiserliches Diplom vom 31. August 1724 Luise Dorothea in Anerkennung der adeligen ritter¬ lichen Abstammung als besonderen wohlanständigen Eigenschaften zur Reichsgräfin48, aber in der Sukzessionsfrage war trotz der Unterstützung durch den Kurfürsten von Mainz49 die gewünschte Anerkennung der Ehe und Legiti¬ mitätserklärung der Nachkommenschaft versagt worden. Christian III. suchte, da sein Verhältnis zum Wiener Hof infolge seiner Haltung im Veldenzer Erb¬ folgestreit gespannt war, die direkten Proteste seines Agenten Praun in Wien dadurch zu unterstützen, daß er die Hilfe der evangelischen Mächte in An¬ spruch nahm. In einem Schreiben vom März 1723 an die Souveräne von Eng¬ land, Preußen und Schweden wies er auf die Umtriebe der kurpfälzischen Partei in Zweibrücken hin und führte die Zweibrücker Vorgänge auf den Fanatismus des katholischen Klerus zurück, der gegen seine Nachfolge sei50. Daraufhin wurden die Gesandten in Regensburg und Wien von ihren Regierungen ange¬ wiesen, im Sinne Pfalz-Birkenfelds vorstellig zu werden51. Der kritische Ton, den Christian III. in einem gleichzeitigen Briefwechsel mit Gustav Samuel Leopold anschlug, sollte sich vom politischen Gesichtspunkt aus gesehen als unklug erweisen. Erst am 13. Mai 1723 hatte er - wie aus einem 45 Atzenheim an Christian III., Birkenfeld 14.2.1723. GHA München KA 479/1. 46 Karl Philipp an Francken, Mannheim 10.5.1723; Francken an Karl Philipp, Wien 19.6.1723; Karl Philipp an den Kaiser, Schwetzingen 21.6.1723. GHA München KA 484/4. 47 Konzept Christians III. an Praun, Rappoltsweiler 12.4.1723. GHA München KA 484/4. 48 Siehe dazu GHA München KA 478/1. Kopie des kaiserlichen Diploms GHA München HU 4591. 49 Atzenheim an Christian III., Birkenfeld 18.10.1724. GHA München KA 479/1. 50 GHA München KA 479/1 (Konzept). 51 Georg von England an Christian III., St. James 9.7.1723; Friedrich von Schweden an Christian III., Stockholm 6.5.1723. GHA München KA 479/4. 142