soldatische Karriere gescheitert, mußte er auch schon bald eine geistliche Lauf¬ bahn - 1699 hatte er vom Bischof von Raab, Herzog Christian August von Sachsen-Zeitz, die niederen Weihen empfangen - abbrechen, da sich die Aus¬ sichten auf eine geistliche Pfründe, ein Kanonikat in Köln, zerschlagen hatten. Das Ergebnis der Versuche, seine Existenz zu sichern, war letztendlich nur eine kleine Pension von 6 000 livres pro Jahr, die ihm von Ludwig XIV. seit 1700 gewährt wurde. Da auch nach dem Tod des Bruders (1701) die Apanage nicht zu einer standes¬ gemäßen Existenzgrundlage wurde, heiratete Gustav Samuel Leopold 1707 in Straßburg eine vermögende Kusine zweiten Grades, die Tochter des letzten Pfalzgrafen von Veldenz, Dorothea, die eine Lutheranerin war. Da die Kurie den nach kanonischem Recht erforderlichen Dispens verweigert hatte, wurden beide nur vom lutherischen Pfarrer in Zweibrücken getraut. Gustav Samuel Leopolds geistlicher Berater in Straßburg eröffnete ihm schon bald die kirch¬ lichen Bedenken gegen diese Ehe; wiederholte Versuche, den Ehedispens in Rom nachträglich zu erwirken, hatten keinen Erfolg. Gustav Samuel Leopolds Regierung in Pfalz-Zweibrücken begann mit Reformen und Sparmaßnahmen. Günstlinge und Anhänger des vorhergehenden Regimes wurden ihrer Ämter enthoben, um den Vertrauten des neuen Herzogs Platz zu machen. Zu den von der Ungnade Gustav Samuel Leopolds betroffenen Beam¬ ten gehörte auch der Jägermeister Johann Heinrich Hoffmann2. Seiner Tochter Luise Dorothea gelang es jedoch, Einfluß auf den Herzog zu gewinnen. Wie und wann sie ihm nähergekommen ist, läßt sich nicht feststellen - jedenfalls war sie seit Anfang 1722 bei Hofe zugelassen. Wie sich das Verhältnis Gustav Samuel Leopolds zu ihr entwickelte, zeigen die Gunstbezeugungen, welche der Familie Hoffmann seit dem Frühjahr 1721 zuteil wurden: Ihr Bruder Johann Heinrich wurde auf herzogliche Kosten nach Lunéville und Paris zu seiner kavaliersmäßi¬ gen Ausbildung geschickt Im Juni 1721 wurde die Familie in den Reichsadels¬ stand erhoben, der Vater am Neujahrstag 1722 zum Oberjägermeister, zum Auf¬ sichtsorgan für das gesamte Forst- und Jagdwesen Pfalz-Z weibrückens3, ernannt. Gustav Samuel Leopolds Ehe mit Dorothea von Veldenz mußte, da sie kinder¬ los geblieben war, die „konfessionelle Kontinuität"4 gefährden. Mit dem Regierungsantritt des nächsten Erben, Pfalzgraf Christian III. von Birkenfeld, würde Pfalz-Zweibrücken wieder an eine lutherische Dynastie fallen. Die pfalz- birkenfeldischen Erbansprüche wurden zwar von dem katholischen Kurfürsten der Pfalz bestritten, doch war die Frage ohne einen Erbfolgestreit, der sich ver¬ mutlich in die Länge ziehen würde, nicht zu klären. Deshalb rieten der prote¬ 2 Zur Laufbahn von Johann Heinrich Hoffmann siehe baumann, Lebensgeschichte der Luise Dorothea Hoffmann, S. 51-58. 3 Siehe dazu GHA München KA 478/1 (Kopie). Vgl. dazu auch baumann, Lebens¬ geschichte der Luise Dorothea Hoffmann, S. 55. 4 Ebda., S. 54. 133