Vierter Teil DIE PERSONALPOLITIK DER HERZOGE VON PFALZ¬ ZWEIBRÜCKEN UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF DIE INNEN- UND AUSSENPOLITIK Die bisher beschriebenen Institutionen sind als Ausdruck bestimmter Bedürf¬ nisse und Absichten entstanden. Standen sie erst einmal zur Verfügung, konn¬ ten sie verschiedenartigen Zielen dienstbar gemacht werden. Es ist m.E. deshalb konsequent, wenn sich der nun folgende Teil der Arbeit mit Gruppen und Frak¬ tionen befaßt, welche die Institutionen ausfüllten und sich ihrer bedienten. Eine derartig komplizierte Struktur über einen längeren Zeitraum zu verfolgen, stellt eine schwierige Aufgabe dar, zumal wenn man bedenkt, welch große Anzahl von Verbindungen zwischen den einzelnen Beamten bestanden haben mag. Ein nur einigermaßen lückenloses Bild zu entwerfen, ist nicht möglich, da vieles von dem, was für diese Fragestellung von Wichtigkeit gewesen wäre, oftmals keine schriftliche Aufzeichnung erfahren hat. Immerhin werden aufgrund der Quellenlage gewisse Konturen und Verbindungslinien sichtbar, die nun nach¬ gezeichnet werden sollen. I Die Regierung Gustav Samuel Leopolds (1719-1731) 1. Gustav Samuel Leopold und Luise Dorothea von Hoffmann Nachdem der schwedische König Karl XII. im November 1718 kinderlos gestor¬ ben war, folgte ihm der letzte Vertreter der Kleeburger Linie, Pfalzgraf Gustav Samuel Leopold1. Als Sproß der Wittelsbachischen Linie Zweibrücken-Klee- burg am 2. April 1670 in Stegeborg (Schweden) geboren, war er früh verwaist und als nachgeborener Prinz nur mit einer geringen Apanage - er teilte sich mit seinem Bruder Adolf Johann das Kleeburger Deputat des Vaters - versehen. Als Oberstleutnant bei den schwedischen Hilfstrupjpen in Belgien nahm er am „Pfäl¬ zischen Erbfolgekrieg’' gegen Frankreich teil. Im Oktober 1696 trat Gustav Samuel Leopold in Rom zum Katholizismus über. Bei diesem Schritt dürften religiöse Erwägungen kaum eine Rolle gespielt haben; er tat dies wohl deshalb, weil er sich von der Konversion eine Versorgung erhoffte. Zu seinen Tauf¬ namen fügte Gustav Samuel den Namen seines kaiserlichen Firmpaten Leopold hinzu. Die finanziellen Erträgnisse blieben für den Konvertiten jedoch gering. Zwar bezahlte der Papst dessen Schulden, aber wohlwollende Förderer am Wiener Hof - wie er erhofft hatte - gewann er offenbar nicht. Gustav Samuel Leopold beteiligte sich an einem Türkenfeldzug unter Prinz Eugen, seine Bemü¬ hungen um ein kaiserliches Regiment blieben aber erfolglos. War somit seine 1 baumann (Lebensgeschichte der Luise Dorothea Hoffmann, S. 54) charakterisiert ihn folgendermaßen: „Eine angeborene Ängstlichkeit wechselte mit cholerischen Zustän¬ den; ein betont zur Schau getragenes Selbstbewußtsein konnte kaum die innere Un¬ sicherheit und die Abhängigkeit von einem stärkeren Willen verdecken. Es war nicht schwer, ihn zu beeinflußen, ja ihn einzuschüchtern." Vgl. zum folgenden ders, Herzog Gustav von Zweibrücken. 132