Hintere Grafschaft Sponheim mit der Markgrafschaft Baden aufgelöst wurde131. Nun bearbeitete das Oberkonsistorium in Zweibrücken alle lutherischen Kir¬ chenangelegenheiten. Waren die beiden Konsistorien in ihrer Zusammensetzung einander im wesent¬ lichen konform, so läßt sich dies auch bezüglich ihrer Zuständigkeiten feststellen132. Der beiderseitige Aufgabenbereich umfaßte die Prüfung der Kan¬ didaten im Kirchen- und Schuldienst, die Aufsicht über Lebenswandel und Lehre der Pfarrer und Lehrer sowie die Überwachung der Kirchendisziplin.Wei¬ terhin war dafür zu sorgen, daß die Almosen richtig verteilt und daß die Pfarr- und Schulbesoldungen ordnungsgemäß ausgezahlt wurden. Die Konsistorien ließen sich die Visitationsberichte der Inspektoren vorlegen und hatten ihren I Bescheid darauf zu geben; auch hielten sie durch ihre Organe - jedoch nur nach landesherrlicher Anordnung - solenne Kirchenvisitationen im Land ab. Weiter¬ hin mußten die geprüften Pfarramtskandidaten ordiniert werden, bei einer Stel¬ lenbesetzung war dem Landesherrn entweder ein bereits im Amt befindlicher Geistlicher oder zwei Kandidaten vorzuschlagen. Das reformierte Oberkonsi¬ storium hatte ferner die Aufsicht über das gymnasium illustre wie über die in den Oberamtsstädten Kusel, Meisenheim und Bergzabern bestehenden Grund¬ schulen zu führen. Auch waren dieser Behörde die französischen Flüchtlinge, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) in Pfalz-Zweibrücken eine Zufluchtsstätte gefunden hatten, anvertraut gewesen, bis diesen während der Regierungszeit Christians IV. ein Ältestenrat - er war unmittelbar der Lan¬ desherrschaft unterstellt - bewilligt wurde133. 3. Die Verwaltung der geistlichen Gefälle Im Verlauf der Durchführung der Reformation in Pfalz-Zweibrücken mußte es auch zu einer Neuordnung des Kirchenvermögens bezüglich der Bestimmung ihres Zweckes und der Verwaltung kommen134. Nachdem Herzog Wolfgang 1559 die Säkularisierung der noch bestehenden Klöster Hornbach, Werschwei¬ ler, Disibodenberg, Offenbach am Glan und des Hornbacher St. Fabianstiftes verfügt hatte, übertrug man dieses Vermögen den sogenannten Klosterschaff- neien. Die Kirchengefälle wurden durch vier Kirchenschaffneien135, die in den Oberamtsstädten Zweibrücken, Bergzabern, Meisenheim und Kusel eingerich¬ 131 Vgl. dazu Jacobson, Quellen des evangelischen Kirchenrechts, S. 725 f, 729, 734. 132 Vgl. zum folgenden jung, Quellen der pfalz-zweibrückischen Kirchengeschichte, S. 251 f. 133 Siehe dazu bachmann, Pfalz Zweibrückisches Staats-Recht, S. 259-261. 134 Vgl. zum folgenden wagner, Verfassung und Verwaltung der protestantischen Kirche der Pfalz, S. 10 (dort auch die ältere Literatur!). 135 Die Gründung der Kirchenschaffneien war bei der Hauptkirchen Visitation in Pfalz- Zweibrücken 1558 beschlossen worden. Als fünfte Kirchenschaffnei kam 1629 noch diejenige in der zwischen Pfalz-Zweibrücken und Pfalz-Veldenz bestehenden Ge¬ meinschaft Guttenberg in Minfeld hinzu. 101