äusJ3eri'Zpllstellen und Kellereien zu sorgen66, so begnügte sie sich im 18. Jahr¬ hundert nicht mehr mit der mechanischen Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben,- die fortschreitende wirtschaftliche Entwicklung, die das Gebiet, auf dem Finanzfragen in Betracht kamen, erweiterte, hatte eine Ausdehnung der Tätigkeit des Kammerkollegiums zur Folge. Merkantilistische67 und physiokratische68 Ideen wirkten auf seine Tätigkeit ein. Die Betonung des Wertes und Nutzens der natürlichen Kräfte eines Landes mußte zunächst bedeuten, daß die Domänenverwaltung als einer der Haupt¬ zweige der Kammertätigkeit wesentlich verstärkt und verbessert wurde69. Es zeichnete sich gleichwohl seit 1760 deutlich die Abspaltung neuer Ökonomie¬ kommissionen für landwirtschaftliche Angelegenheiten ab, die nicht nur auf die landesherrlichen Domänen beschränkt blieben, sondern das ganze Land betrafen70. 1762 wurden eine Wiesen- und eine Landesökonomiekommission 66 Siehe dazu das Kapitel „Die Rechenkammer". 67 Der Begriff „Merkantilismus" ist nach heckscher (Der Merkanülismus, Bd. 1, S. 1) lediglich eine „Hilfsvorstellung". Er wurde von den Gegnern dieser wirtschaftlichen und staatspoliüschen Ideen geschaffen, für die es nach deyon, Le mercantilisme, S. 11-13, keine gemeinsame Bezeichnung gibt (siehe dazu hartmann, Geld als Instru¬ ment europäischer Machtpolitik, S. 1, Anm. 2). 68 „Es ist indessen nicht erforderlich, jeden physiokratischen Zug in der Agrarpolitik der deutschen Staaten primär auf Quesnay und seine Schule zurückzuführen. Denn seit Jahrzehnten gab es in Deutschland eine agrarische Bewegung', aus der sich be¬ reits eine eigene, an den Universitäten gelehrte Wissenschaft vom Landbau und eine ausgedehnte populäre und wissenschaftliche Literatur entwickelt hatte. Von hier aus ist auch die wissenschaftliche Durchdringung der kleinstaatlichen Verwaltungspraxis hinsichtlich der Agrarreformen zu verstehen (...)" (siehe dazu bleymehl, Aufgeklärter Absolutismus in der Grafschaft Nassau-Saarbrücken, S. 79). Über die agrarische Be¬ wegung in Deutschland vgl. abel, Geschichte der deutschen Landwirtschaft, S. 276 f: „In Frankreich unter ganz anderen Umständen erwachsen, von den breiten Strömen der Aufklärung getragen, vereinigten sich in dieser Bewegung humanitäre Bestrebun¬ gen und staatspolitische Notwendigkeiten, materielle Interessen und modisch-spiele¬ rische Neigungen". 69 Auf einen möglichen Zusammenhang der Agrarreform in Pfalz-Zweibrücken mit der durch Quesnay begründeten physiokratischen Lehre hat pöhlmann (Leute und Land, S. 19 ff) hingewiesen. Unter Verweis auf die beiden Artikel von Quesnay „Grains" und „Fermiers", die 1756/57 in der bekannten, von Diderot und d'Alembert herausge¬ gebenen „Encyclopédie" erschienen waren, hat pöhlmann die Meinung geäußert, daß man in Zweibrücken versucht habe, die neuen Ideen in die Tat umzusetzen, reuter, (Merkantilismus im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, S. 106 ff) hatte bereits 1931 den Einfluß physiokratischer Bestrebungen auf die Agrarpolitik Pfalz-Zweibrückens „als nicht bestimmend, sondern höchstens fördernd" umschrieben. So könnte man bezüg¬ lich der Verhältnisse von Pfalz-Zweibrücken die Beurteilung von funk (Kampf der merkantilistischen mit der physiokratischen Doktrin) übertragen, nämlich daß nicht der Merkantilismus, „sondern eine eigenartige Mischung mit Physiokratie bestim¬ mend war" (ebda., S. 106). 70 In erster Linie verbreiteten sich diese Organisationsformen in mittleren und kleine¬ ren, überwiegend agrarwirtschaftlich orientierten Territorialstaaten. Verschiedene Beispiele bei facius, Wirtschaft und Staat, S. 36, Anm. 60. 89