begehrt, so daß sie eine große Freizügigkeit in Anspruch nehmen und ihren Dienst nur unter den Gesichtspunkt des eigenen Nutzens stellen konnten. Selbst diejenigen Räte, die als „ständige Räte" anzusprechen sind, scheinen einem häufigen Wechsel unterlegen zu haben. Häufig wurde der ohnedies kleine Kreis der Ratsmitglieder durch die erforderlichen diplomatischen Missio¬ nen noch weiter eingeengt, so daß oftmals eine konstante Arbeit schwierig war. Dieses in knappen Umrissen gezeichnete Bild des Regierungs- und Verwal¬ tungssystems läßt diejenigen Grundzüge der Regierungsform erkennen, die auch für andere deutsche Territorialstaaten41 in dieser Zeit charakteristisch waren: Institutionen traten noch immer hinter den Personen zurück. Bis zum Tod Pfalzgraf Ludwigs II. am Ende des Jahres 1532 bleibt es bei dem lockeren Zusammenhalt des fürstlichen Ratgeberkreises. Häufig sind es nur die beiden wichtigsten Beamten, nämlich Hofmeister und Kanzler, die mit ein paar anderen Räten den Rat bilden; dieser konnte sich jedoch bei wichtigen Angelegenheiten durch adlige und gelehrte Räte von Haus aus vergrößern. III Ausbau 1. Die Frage nach der behördenmäßigen Organisation des Rates Für die Entstehung des Ratskollegiums in Pfalz-Zweibrücken ist einerseits die kontinuierliche Auswahl der Räte und die relative Abgrenzung dieses Perso¬ nenkreises von den nur bei Gelegenheit zusammenkommenden Lehnsleuten sowie andererseits deren Anteil an den Regierungsgeschäften entscheidend ge¬ wesen. Beides hatte sich Mitte des 15. Jahrhunderts herausgebildet. Es wird nun zu untersuchen sein, wie der Rat zu einem behördenmäßigen Organ umgestaltet wurde. In der verfassungsgeschichtlichen Literatur läßt sich die Auffassung finden, daß nur ein „consilium formatum", ein festgefügter Verwaltungskörper, als Behörde 41 Diesbezügliche Beispiele finden sich bei v. der OHE, Die Zentral- u. Hofverwaltung des Fürstentums Lüneburg, S, 70 f. 37