Achtes Kapitel DIE BÄUERLICHEN DIENSTE Die Frondienste wurden mit dem Gespann oder der Hand geleistet. Wer 3 oder mehr Zugtiere hatte, verrichtete Gespannfron, wer zwei Zugtiere besaß, konnte wählen, ob er wie ein Handfröner dienen oder sein Gespann mit dem eines Nach¬ barn zu einer ganzen Fuhre zusammenstellen wollte1. Auf den wenigen Tcmporalbestandshöfen des Fürstentums hatten die Bauern nicht viel zu tun. Trotzdem bedrückten die Dienste die Bauern, weil die Inhaber größerer Vogteien häufig zu Fronfuhren herangezogen wurden, welche sich manchmal über mehrere Tage erstreckten2. Rege Bautätigkeit, zahlreiche Vergnügungen der Fürsten, bedeutender Bedarf an Holz und Kohle etc. forderten die Dienste der Bauern oft dann, wenn sie in ihrer eigenen Wirtschaft nötig gebraucht wurden. Die Saarbrücker Fürsten hielten die Bauern vornehmlich zu Bau-, Fuhr- und Jagd¬ diensten an. 1. Die Dienste im allgemeinen Dienstpflicht und Befreiung Die Verpflichtung, Dienste zu leisten, hatten alle leibeigenen Untertanen. Dies be¬ deutet aber nicht, daß alle Bauern des Fürstentums fronen mußten. Man muß viel¬ mehr darauf achten, ob die Bauern nassauisches Kernland bewohnten oder durch die Austauschverträge im Laufe des 18. Jahrhunderts zum Fürstentum gekommen 1 J. M. Sittel, a.a.O., S. 25 Fußnote. 2 Uber den Umfang der Dienste möge die folgende Zusammenstellung aus dem Jahre 1620 Aufschluß geben. Die in späteren Jahren verordneten Einschränkungen einzelner Dienstarten wurden mit Sicherheit durch die steigende Häufigkeit der verbliebenen wettgemacht. Stockfisch von Trier bis nach Saarbrücken führen; Bier, Wein und Hopfen von Saarbrücken zum Brennhäuslein Ottweiler führen; Eier von Neunkirchen zur Küche bringen; Friesenwasen beiführen; Fronzettel tragen; Zehntgarben ausdreschen; Heb¬ geschirr zum Bauen führen; alle Baufronen tun; alles Brandholz beifahren; zum Fisch¬ haus fahren; das Heu zur Schloßscheuer bringen; Mist zum Lust- und Frongarten führen; Früchte von Ramstein nach Saarbrücken führen; am Wingartsweiher fischen; Salpeter auf Homburg fahren; Wein von außerhalb herbeifahren; zur Kälberweid Holz fahren; Kälber nach Saarbrücken führen; Sägklötze aus dem Wald fahren; Wildpret nach Saarbrücken führen; auch tragen; Holz fällen; Bauholz aus dem Wald fahren; Haferäcker säen; alle Feldarbeit tun; Brunnen putzen; Gräben aufwerfen; Hämmel jährlich in die Schäferei führen; Brücken ausbessern; Wolfszaun bringen... (H.V. — H 11, S. 76). 210