von Nassau mit der Bezahlung der Arbeit auf fühlbare Weise im Rückstand waren, hat Dors auch andere, ähnliche Aufträge und Arbeiten übernommen; das „Epitaphienbuch derer Zum Jungen“ ist vielleicht ein Beispiel. Es ist, da es ebenfalls nur einige wenige kolorierte Wappen enthält, gleichfalls als non finito anzusehen, wenn es auch im übrigen in keiner Weise beschä¬ digt wurde. Aber vielleicht waren die Lebensbedingungen in Frankfurt, wo die Zum Jungen einen großen Hof hatten und General Oxenstierna seit dem Tod Gustav Adolfs residierte, günstiger als in den Nassauer Grafschaften, die durch Kriegshandlungen, Verwüstungen, Emi¬ gration und Sequestrierung hart getroffen wurden. Die Verbindung zu den Nassauer Grafen und ihren Hof beamten hat jedoch offenbar nicht grundsätzlich darunter gelitten. In Frankfurt und Mainz, d. h. in den beiden Städten, in denen Dors nachweislich gute Beziehungen unterhielt und Creditoren hatte, lebten z. B. monatelang auch der Oberamtmann Piesport und der Sekretär Kolb. Es bestanden ferner, im einzelnen noch ungeklärt, Verbindungen zwischen Vi¬ kar Helwich und Registrator Andreae. Daß dieser Kontakt für Dors eine Rolle spielte, ergibt sich aus den Entlehnungen aus Helwichs Sammlungen und aus den entsprechenden Aufga¬ ben und Funktionen des Malers Dors für die Grafen von Nassau bzw. für den Registrator Andreae. Da Dors in seiner hoffnungslosen Emigration in Gießen, 1636, seine Anhänglichkeit an sei¬ ne nassauische Herrschaft von gräflicher Seite gewürdigt sah, wird ihm der Entschluß, sich weiterhin den Diensten der Nassauer Grafen zur Verfügung zu stellen, nicht schwer gewor¬ den sein, umso mehr als er hoffen konnte, vielleicht doch noch sein „großes Werk“ für sie beenden zu können. Der Krieg war aber 1636 noch keinesfalls zu Ende. Die nassauischen Beamten mitsamt der gräflichen Hofhaltung waren weiterhin von den kriegsbedingten und politischen Zufälligkeiten abhängig. Desungeachtet ging die Verwaltungsarbeit weiter, und Dors hat anscheinend die enge Zusammenarbeit mit dem Registrator Andreae nicht mehr auf- gegeben. Im Zusammenwirken mit ihm konnten zwar keine repräsentativen Werke Zustande¬ kommen; es wurden verwaltungstechnische Aufgaben, Schreib- und kartographische Arbeiten vordringlich. Soweit es sich beurteilen läßt, hat Dors aufgrund seiner Präzision, Intelligenz und seiner zeichnerischen Begabung in großem Umfang Listen, Aufstellungen, Stammregister, Wege- und Ortskarten angefertigt. Die Karten und Berichte, die sich in den Akten und Ge¬ nealogiebüchern von Andreae befinden, beweisen, daß er im Dienst der Nassauer Grafen Land¬ messungen, topographische Feststellungen vornahm und Karten, Pläne, Schloß- und Land¬ schaftsprospekte zeichnete. Was Dors zeichnete und malte, zeugt von Sorgfalt und beachtlichem Talent. Ob und wo er eine Schulung genossen hat, ist unbekannt. Seine Zeichnungen in den Epitaphienbüchern ver¬ raten indes eine zügige, geschulte Feder sowie die Fähigkeit, mit einem Blick das Wesentliche der Figur, die anatomisch richtige Proportion des Körpers, das Räumliche einer Plastik und der Architektur zu übersehen. Flott, sicher und völlig unpedantisch wie der Duktus seiner intelligenten Schrift (Handschriftproben von Dors vgl. Abb. 26, 46, 57, 65, 92, 100, 109), so ist sein Zeichenstil und sein sicheres Unterscheidungsvermögen sowie ein Gefühl für das, was wir Zeitstil nennen; wobei zu sagen ist, daß dieses Können allein seinen visuellen Fähigkeiten zu¬ geschrieben werden muß: er beobachtete genau und zeichnete sehr genau ab, daher ist z. B. die Rüstung eines Grafen aus dem 14. Jahrhundert mit der eines Grafen aus dem 15. oder 16. Jahrhundert nicht zu verwechseln. 69