Johann Textor, Stadtschreiber von Haiger, brachte 1617 in Herborn in deutscher Sprache die „Nassawische Chronick“ 21) heraus und 1625 seinen „Arbor genealogica familiae Nassaicae“ in Frankfurt. Da es den beiden Autoren darauf ankam, den Ruhm und das Alter des nassaui- schen Grafengeschlechts in einer möglichst weit zurückreichenden und lückenlosen Ahnenreihe zusammenzustellen, waren ihre Chroniken nicht frei von Legenden, die von den späteren For¬ schern kritisiert wurden. Kremer gehört zu ihren härtesten Verurteilern. Er äußert sich aus¬ führlich und ziemlich abwertend über die Arbeit Textors und führt eine Briefstelle des Grafen Johann des Mittleren von Nassau-Siegen an, in der 1617 Textors Chronik ein leppischWerk ge¬ nannt wird22 23). Trotzdem sind beide Werke, nach dem Verlust so vieler Archivalien, heute wertvolle Fundgruben für die Genealogie des Hauses Nassau, insbesondere die der ottoni- schen Linie 22a). Die walramische Linie war mit ihrem Bemühen um eine Chronik des Hauses und um eine Genealogie weniger erfolgreich. Es dauerte bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts, ehe das erste Stammregister, und zwar die „Geschlechtstafel“ des Archivars Johann Georg Hagelgans 1753 in Frankfurt im Druck erschien 2:i). Diese „Geschlechtstafel“ baut auf den Ahnenreihen der rechtsrheinischen Stammlande der Grafen von Nassau im Raum zwischen Rhein, Lahn und Main auf. Die Grafen von Saarbrücken und Saarwerden treten erst in Erscheinung mit der schon erwähnten Ehe des gefürsteten Grafen Johann I. von Saarbrücken und der Heirat des Grafen Johann Ludwig I. von Nassau-Saarbrücken 1507 mit Katharina, Tochter des Grafen Johann von Mörs-Saarwerden 24). 21) Vgl. Kremer, Originum I, S. (33). Exemplare der beiden Auflagen der „Nassawischen Chronick“ be¬ sitzt der Historische Verein für die Saargegend (Stadtbibi. Saarbrücken, wissenschaftlich-landeskundli¬ che Abt.). 22) Kremer, Originum I, S. (30) ff., Zitat S. (36). 22a) Offen bleiben muß die gegenseitige Abhängigkeit zwischen den beiden Geschichtswerken. Kremer, Ori¬ ginum 1, S. (34) f. weist auf z. T. weitgehende Übereinstimmung hin und schließt daraus auf enge Zu¬ sammenarbeit (vgl. auch Orler S. 7), Tatsächlich ergeben sich nicht nur im Aufbau starke Übereinstim¬ mungen, sondern auch in einzelnen Formulierungen. Aus der Tatsache, daß Orler 1616 erschien, Tex¬ tor 1617, ist nicht ohne weiteres auf die Abhängigkeit Textors von Orler zu schließen (Anm. d. Bear¬ beiters). 23) Johann Georg Hagelgans, Nassauische Geschlechtstafel des walramischen Stammes von Graf Henrich dem Reichen bis auf die von ihm stammende, in drei fürstlichen Häusern der saarbrückischen Linie gegenwärtig blühende Nachkommene, durch Diplomata und andere archivalische Documenta, auch einige beigefügte Kupferstiche erläutert, bestätigt und dem Publico mitgeteilt von (. . .), Frankfurt/M.- Leipzig 1753. — Uber den Verfasser vgl. Renkhoff, in: Nassauische Lebensbilder, Bd 5, S. 57—69. 24) Isenburg, Stammtafel, Bd 1, 108. — Herrmann, Geschichte der Grafschaft Saarwerden, Bd 1, S. 543 u. 545. — Ruppersberg, I. S, 176 u. 251. —über das ältere Haus Saarbrücken vgl. Kremer, Genealogi¬ sche Geschichte des alten ardennischen Geschlechts. 19