2.1. Im saarländischen Raum entstanden Weistiimer bis ins 18. Jahrhundert hinein, inhaltlich bedeutet der Dreißigjährige Krieg jedoch eine Zäsur in der Rechtsentwicklung, vielleicht bedingt durch die starken Bevölkerungs¬ verluste, die einen Abbruch der Rechtstradition zur Folge hatten. In manchen Herrschaften wurde formal am Weisungselement festgehalten, inhaltlich sind die späten Weistümer jedoch nur mit den Dorfordnungen anderer Territorien zu vergleichen. Die Untersuchung wurde daher auf Weistümer beschränkt, die bis ca. 1630 niedergeschrieben wurden. Die zeitliche Verteilung der untersuchten Weistümer entspricht den Beobach¬ tungen in anderen Landschaften, daß der Höhepunkt zwischen 1450 und 1550 lag, die Quellenzahl seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts langsam anwuchs und nach der Mitte des 16. Jahrhunderts wieder stark zurückging. Das war offenbar in allen Territorien der Fall, allerdings konnte festgestellt werden, daß die Weistümer aus geistlichen Herrschaftsbezirken schon in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts den Höhepunkt erreichten, die aus welt¬ lichen dagegen erst 100 Jahre später. Das dürfte sich mit der früheren Schrift¬ lichkeit und besseren Aufbewahrungsmöglichkeit in Klöstern erklären lassen. Die meisten Weistümer sind aus der Grundherrschaft erwachsen, ein nicht unbeträchtlicher Teil aber auch aus der Vogtei oder Hochgerichtsherrschaft und eine Anzahl — allerdings sehr später Quellen — aus der Landesherr¬ schaft. In der Zeitverteilung entsprechen sich Grundherrschafts- und Vogtei- weistümer, die landesherrlichen Weistümer dagegen traten hauptsächlich erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf, als die beiden anderen Gruppen schon zurückgingen, und haben auch einen anderen Inhalt, nämlich im wesentlichen Landrecht. Die meisten Weistümer sind genau datiert, da sie im allgemeinen auf dem Jahrgeding verkündet wurden. Das Alter einzelner Rechtssätze ist jedoch fast nie zu bestimmen, jedenfalls kann das Datum der Niederschrift nur als terminus ante quem angesehen werden. Das ist ebenfalls eine Gemeinsamkeit mit anderen Landschaften. 2.2. Weistümer entstanden besonders oft in den noch nicht klar abgegrenzten Gebieten zwischen den Territorien. 2.3. Die starke herrschaftliche Zersplitterung im saarländischen Raum war einer der wesentlichen Gründe für die Weistumsentstehung. Ziel war sowohl die Abgrenzung nach außen gegen benachbarte Landesherren, als auch die nach innen, nämlich in den meist vielherrigen Qrten die der Herren untereinander. Eines der wesentlichen Motive zur Weistumsniederschrift war der Versuch, in mehrherrigen Bezirken zur Abgrenzung der Kompetenzen der verschiede¬ nen Herren zu gelangen, das zweite der Versuch geistlicher Grundherren, sich gegenüber den Vögten und werdenden Landesherren abzugrenzen. War der Machtkampf zugunsten einer Seite entschieden, brach die Weistums¬ überlieferung ab. Diese beiden Motive zur Weistumsaufzeichnung waren ungefähr gleich wichtig. Ein drittes, allerdings weniger bedeutsames, wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Notwendigkeit, Rechtssicher¬ heit im Erb- und Güterrecht zu schaffen, wenn kein geschriebenes Landrecht vorlag; dieses wurde durch Schöffenweisungen ersetzt. 240