1638: Alte abgegangene Dörfer . .. sind guten Teil der Sage nach im Bauren- krieg verbrannt worden198. A. Ruppersberg und J. H. Keil behaupten, daß im Bauernkrieg etwa zwanzig Dörfer im Saarbereich von der Besatzung der Burg Montclair eingeäschert wurden, und daß ein Teil davon spurlos verschwunden ist199. Diese Aussage geht auf A. Köllner zurück. Leider nennt keiner der Autoren die Namen dieser Dörfer. Außer den Unruhen im südlichen Bereich des Saarlandes, den Schwierigkeiten der Herrschaft Dagstuhl und der beiden Klöster Gräfinthal und Werschweiler mit den Bauern, sind bisher keine Kampfhandlungen nachgewiesen200. Kriege sind in den seltensten Fällen die Ursache für das endgültige Verschwinden von Dörfern gewesen. Auch die Fehden des Mittelalters, die zwar Brandschatzungen, Plünderungen und Beschädigungen aller Art mit sich brachten, vermochten nicht allein die Auflassung der Siedlungen zu bewirken. Die Fehde zwischen Graf Johann III. und Herzog Ludwig von Zweibrücken im Jahre 1471 war von Belagerungen und Bränden begleitet, jedoch nicht von permanenten Wüstungen201. Zwar mögen hie und da Siedlungen verlassen worden sein, weil die Bewohner laufend den Belästigungen langwieriger Grenzstreitigkeiten ausgesetzt waren, doch es muß nochmals betont werden, daß Kriege, Fehden, Aufstände, Aufruhr, Unruhen, Kampfhandlungen, Feuersbrünste ebenso wenig große Bedeutung in diesem Zusammenhang besitzen wie Reformation und Französische Revo¬ lution. 2. Naturkatastrophen und Klimawechsel Naturkatastrophen können in unserem Untersuchungsbereich kaum als Ursache herangezogen werden. Anders als die klassischen Beispiele des Wüstfallens durch Meeresüberflutungen, Überschwemmungen und Stürme im Küstenbereich der Nordsee (die Wurten)202, durch Bodensenkungen, Erdbeben und Vulkanausbrüche (z. B. die Zerstörung von Pompeji, Her¬ culaneum und Stabiä oder von St. Pierre auf Martinique), durch Erdrutsch und Bergsturz, dürften in unserem Raum nur durch Änderungen des Flu߬ laufes, durch Überschwemmungsgefahr und die Häufigkeit des Hochwassers der mittleren Saar und einiger Nebenflüsse in wenigen Fällen die Menschen zum Verlassen ihrer alten Siedlungsstätten genötigt worden sein. Das Phänomen der Klimaverschlechterung ist bisher noch zu sehr in der Diskussion, um Schlüsse daraus ziehen zu können. H. Flohn hat versucht, 198 HStA Wiesbaden Abt. 130 II Nr. 70, 4, S. 526. 199 A. Ruppersberg, Saarbrücken, St. Johann, S. 88. — J. H. K e 11, Kreis Merzig, S. 84. 200 K. Hoppstädter, Die Aufstände der Ritter und Bauern, in: Gesdi. Landes¬ kunde, S. 201—213 und S. 328—333. 201 A. Ruppersberg, Saarbrücken, St. Johann, S. 64 f. 202 Vgl. die Arbeiten von A. E. von G i f f e n , W. Haarnagel und A. B an¬ te 1 m a n n , über Ezige, Feddersen Wierde und Elisenhof. 59