kirch und ihr Begräbnis für die Nadibargemeinde Kirkel154. Die Kirche von Fronsbach war 1567 verfallen, jedoch noch 1720 war ein Steinhaufen sicht¬ bar; die Kirche von Volkerskirchen war im Jahre 1567 ebenfalls stark ver¬ fallen, wurde jedoch erst 1877 völlig niedergelegt. Bei Aschbach und Hab¬ scheid findet man eine ähnliche Entwicklung. Die Kapellen bzw. Kirchen von Buchheim, Eschweiler (St. Oranna bei Berus), Kuchlingen, St. Gangolf, Urwahlen und Wintringen (letzere Kapelle soll heute nur noch den Chor der alten, zerstörten Kirche umfassen) erinnern noch heute an vergangene Dörfer155. Nach dem Abgang verschiedener Dörfer wurden sog. Denksteine oder aber Kreuze errichtet, welche die alte Dorfstelle in der Erinnerung wachhalten sollten. Zahlreiche Höfe und Mühlen kennzeichnen oft durch ihren Namen ehemalige Gruppensiedlungen (z. B. Zusammensetzungen mit -heim, -ingen, -dorf, -weder, -hausen, -hofen etc.). Dabei muß zuerst unter¬ sucht werden, ob es sich nicht um den Namen eines Nachbarortes oder aber des Begründers (Ortsname als Familienname) handelt. 3. Sagen und mündliche Tradition Mit Vorliebe pflegen Sagen ihre romantischen Ranken um die Stätten einer untergegangenen Siedlung zu flechten. Immer zeigen sie das Bestreben, die Dinge zu vergrößern und prächtig auszuschmücken. Ein Dorf wird eine reiche und riesige Stadt, und mancher Schatzgräber soll dort bedeutende Goldfunde gemacht haben oder aber einem Fluche verfallen sein156. Wo ein Kellergewölbe eingebrochen ist, weiß die mündliche Überlieferung von unterirdischen Gängen zu erzählen; bei einem Münzfund ist die Rede von riesigen Schätzen. Ebenso knüpfen sich Sagen von versunkenen Glocken an ehemalige Siedlungen. So soll z. B. die Wüstung Gersweiler bei Welsch¬ bach (Lk. Ottweiler) eine große Stadt mit vielen Kirchen und Palästen ge¬ wesen sein. „Aber diese phantastische Annahme ist in nichts anderem als in dem geheimnisvollen Schleier begründet, mit dem die Vergangenheit und Romantik geschwundene Siedlungen umhüllen157." Zwar vergrößern Volkssagen die Wüstungen gerne zu einer versunkenen Stadt und klingen deshalb unglaubwürdig und märchenhaft, dennoch liefern sie reale topo¬ graphische Ortsangaben und zuweilen gar wirkliche Vorgänge und Ge¬ schehnisse in aufgeblähter und aufgeputzter Form. Es gilt hier, den Zierrat und die Ausschmückungen zu beseitigen und den wahren Kern herauszu¬ schälen. Selbstverständlich müssen die auf diese Weise gewonnenen An¬ gaben durch andere Quellenarten gestützt werden. 154 Ebda, fol. 234 f. 155 P. de Lorenzi, Beiträge zur Gesdi. sämtlicher Pfarreien der Diözese Trier, Trier 1887,1, S. 511. 156 K. Lohmeyer, Die Sagen des Saarbrücker und Birkenfelder Landes, Saar¬ brücken 1919; ders., Die Sagen von der Saar, Blies, Nahe, vom Hunsrück, Soon- und Hochwald, Saarbrücken 1935; ders., Die Sagen der Saar von ihren Quellen bis zur Mündung, 2 Bde, Saarbrücken 1952, 1955. — V. Carl, Pfälzer Sagen, 2 Bde, Landau 1967/69. M. Enzweiler, Sagen und Geschichten des Kreises Merzig mit einem Anhang volkskundlicher Beiträge, Merzig 1955. 157 L. P r i n z , Wü. Saarland, S. 3. 42