II. Arten und Umfang der untersuchten Wüstungen Bei einer quantitativen Einteilung der möglichen Arten menschlicher Sied¬ lungsweise werden a) die Städte, b) die Dörfer (als Gruppensiedlungen) und c) die Höfe und Gehöfte (als Einzelsiedlungen) unterschieden. Eine Behandlung der Städte erübrigt sich, da mit Ausnahme von Berus, Medels¬ heim und Wallerfangen keine Wüstungserscheinungen und Rückbildungen im Saarraum bekannt sind. Mit der Erbauung der Stadt Saarlouis (1680—1686) auf Befehl Ludwig XIV. verlor Wallerfangen seine politische, administrative und strategische Bedeutung an die Neugründung87. Waller¬ fangen wurde größtenteils niedergelegt, und die Bürger wurden in den meisten Fällen in Saarlouis angesiedelt. Im Jahre 1707 heißt es noch im Tholeyer Abteisalbuch: Zu Walderiangen, wo dasige Stadt vor Zeiten ge¬ standen, hat das Gotteshaus noch ein Hausplatz88, Wallerfangen erstand zwar wieder, blieb aber nunmehr eine dörfliche Siedlung im Schatten von Saarlouis. Schwieriger und umstrittener ist die schon oben angeschnittene Frage, ob man Einzelhöfe in die Verzeichnisse aufnehmen soll. Beschorner, Schlüter und andere lehnten dies mit folgender Begründung ab: «... da ein einzelnes Gehöft seiner Bewohnerzahl und infolgedessen seinem wirtschaftsgeschicht¬ lichen Werte nach etwas anderes ist als ein Dorf"89. Andererseits weichen viele Arbeiten in ihrem praktischen Teil von diesem Prinzip ab. Meiner Meinung nach sollten die Höfe gleichberechtigte Aufnahme in die Wüstungs¬ verzeichnisse finden, und zwar aus mehreren Gründen. Einmal ist es sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, eine verbindliche Grenze zwischen Einzelsiedlung und kleiner Gruppensiedlung, namentlich für die älteste Zeit, zu finden. Ein Gehöft mit mehreren Gebäuden, darunter auch Behausungen der gesamten familia, des Gesindes, aller Abhängigen, dürfte doch wohl quantitativ wie auch als gewisser selbständiger Organismus in wirtschaft¬ licher Hinsicht einem kleinen Weiler mit drei bis vier kleinen Bauern¬ häusern gleichwertig sein, zumal auch der Hof als Verband eine gewisse Geschlossenheit aufzeigt und oft genug, wenn man das Gesinde mitrechnet, auch zahlenmäßig einem Weiler die Waage hält. Außerdem zögert man auch nicht, ein Kirchendorf mit größerer Bedeutung neben einem kleinen Weiler in die Verzeichnisse aufzunehmen, wo doch quantitativ und quali¬ tativ eine bedeutende Differenz besteht. Auch darf man nicht von der Größe 87 T. Liebertz, Wallerfangen und seine Geschichte, Wallerfangen 1953. — A. Mailänder und A. Kronenberger, Uber 1000 Jahre Wallerfangen, Saarlouis 1962. 88 Abteibibi. Tholey, Salbuch 1710, fol. 274. 89 H. Beschorner, Wüstungsverzeichnisse, S. 4. 29