wenn man nicht über diese Verschiedenheit hinwegsieht und Wollen aus Liebe5 (einerlei ob Mitleidswollen oder mitleids- loses Wollen aus Liebe5) mit „sittlichem“ Wollen zusammen- fallen läßt, indem uns ja „sittliches Wollen“ nun so weit klarge- stellt ist, daß es auf das Wesen, in dem die beiden Bewußt- seinswesen eins sind und in dem das Wollende auch sich eins mit dem anderen Bewußtsein weiß, gestellt ist. Ob nun „aus Liebe2 wollen“ und „sittliches Wollen“ eine Gleichung ausmachen, lassen wir noch dahingestellt, so viel indes dürfen wir schon sagen, daß sittliches Wollen ein Wollen aus Liebe2 sei und demgemäß „sittlich“ wenigstens zwei Be- wußtseinswesen voraussetzt, denn Liebe2 bedeutet Sicheinswissen mit einem anderen Bewußtseinswesen. Aber Liebe2 bedarf auch zweier besonderer Bewußtseins wesen nur schlechtweg und nicht etwa noch in einerEinheit, der beide zugehörten oder in der sie sich finden müßten, sei es Herrschaftseinheit oder Lebenseinheit. Ist demnach sittliches Wollen ein Wollen aus Liebe2, so kann für dieses weder Gebot noch Gesetz, die ja beide notwendig Bewußtseinswesen in einer Einheit vor- aussetzen, in Frage kommen. Die Ethik als Wissenschaft weiß daher nichts von einem „Sittengesetz“. Ebenso wenig aber, wie das in eine Einheit Gebundensein seiner Bewußtseinswesen, kennt das sittliche Wollen als das WTollen aus Liebe2 auch keine Schranken zwischen seinen Be- wußtseinswesen, wie sie trotz des in eine Einheit Gebunden- seins die einer Einheit zugehörigen Bewußtseinswesen gegen- einander noch aufweisen. Die Liebe2, das Sichwesenseinswissen reißt alle Schranken nieder, ohne doch die Besonderheit der Bewußtseinswesen aufzuheben: das liebende2 Bewußtsein weiß sich mit dem anderen zwar eins, aber nicht eines. Wenn das Sittliche an irgendwelche Einheit von Bewußt- seinswesen gebunden wäre, so würde es eben nicht auf alles menschliche Bewußtsein zutreffen können, will sagen, es würde, was sittlich sei, immer nur eine besondere Einheit treffen und 130