ergeben, diesem ein, da ja die grundlegende Bedingung für das sich eins wissen, wesensseins mit anderem Bewußtsein zu sein, in ihm als Bewußtseinswesen ohne weiteres gegeben ist. Setzt also Liebe1 (etwas als Lustquelle wissen) nicht not- wendig mehr als nur ein Bewußtsein voraus, so Liebe2 immer wenigstens zwei Bewußtseinswesen und überhaupt nur Bewußt- seinswesen, weshalb das Geliebte in Liebe2 auch einzig und allein Bewußtseinswesen ist, während das Geliebte in Liebe1 Geist und Ding, Geistiges und Dingliches sein kann. Aber wenngleich Liebe2 d. i. „sich wesenseins wissen“ eine Mehr- zahl von Bewußtseinswesen unbedingt voraussetzt, so gehört doch nicht zu dieser notwendigen Voraussetzung, daß die Be- wußtseinswesen auch in irgendeiner Einheit, sei es Herrschafts- einheit, sei es Lebenseinheit, sich finden. Die Liebe2 bedarf solcher Einheiten für die Bewußtseinswesen nicht, daher ist ihrem Liebenden2 auch das, was wir Pflicht nennen, für sein Wollen völlig fremd. Alles Wollen des Liebenden2 bezieht sich aber auf das Ge- liebte2, denn dessen Veränderung steht ihm im Lichte der Lust, während alles Wollen des Liebenden1 seinen besonderen Zweck in dem Liebenden1 selbst hat. Daraus ist ersichtlich, wie wichtig es ist, den Unterschied von „lieben1“ und „lieben2“ fest im Auge zu behalten. Wir sprechen viel von der Selbstliebe, die wir der Selbstlosigkeit entgegenstellen, ohne den Gegensatz von Liebe1 und Liebe2 zu beachten, der hier unvermerkt mitspielt, da ohne ihn jener Gegensatz Selbstliebe—Selbstlosigkeit allen Sinn verliert. Denn Selbstliebe, Eigenliebe, ist in allen Fällen Liebe1; das sich selbst liebende Einzelwesen weiß sich als Lust- quelle für sich selbst; das Selbstbewußtsein (Sichsel.bstwissen) allein ist die Voraussetzung für die Selbstliebe, die aber niemals Liebe2 bedeuten kann. Liebe2, das Sicheinswissen, hat nicht nur das Selbstbewußtsein des Liebenden, sondern auch anderes Bewußtsein zur Voraussetzung; wenn nicht wenigstens zwei Bewußtseinswesen gegeben sind, findet Liebe2 keinen Platz. Ein 108