ist nicht ein Gefühl, insbesondere auch nicht Lustgefühl, Liebe1 oder lieben1 sagt vielmehr „etwas als Lustquelle wissen“. Diese Tatsache mag freilich dazu verführen zu meinen, wenn ein Bewußtsein etwas „liebt“ 1 d. h. als seine Lust quelle weiß, zugleich auch Lust habe, was ja gewiß oft der Fall ist und dadurch zu dem Irrtum verleitet, „Lustgefühl haben“ sei lieben1. Hiergegen legen indes Verwahrung ein die Fälle, in denen wir etwas „lieben“, und das „liebende1“ Bewußtsein Unlustge- fühl hat. Daß freilich in diesen Fällen das „Geliebte1“ dem „Liebenden1“ mit Lust Vorstellung verknüpft ist, werden wir nicht leugnen, aber niemand wird auch bestreiten, daß Lust- vorstellung und Lust doch Zweierlei sind, da jene ein Gegenständliches, diese ein Zuständliches der Seele bedeutet. Es bleibt dabei, Liebe1 ist keinGefühl, denn „lieben1“ ist ein besonderes Wissen, nämlich „etwas als Lustquelle, als Lust- bringendes wissen“, wobei außer Frage bleibt, ob dieses Wissen in die Irre geht oder nicht. Das Gebiet der Liebe1 ist dem menschlichen Bewußtsein nicht etwa auf einen besonderen Ausschnitt des Gegebenen überhaupt beschränkt, sondern es umfaßt das Wirkliche und das Nicht- wirkliche, das Veränderliche und das Unveränderliche, das Ein- fache und das Zusammengesetzte, das Einzige und das All- gemeine, und zwar dies Alles sowohl in dem Dinggegebenen als auch in dem Geistgegebenen. Anders steht es mit Liebe2, die wir als „Sicheinswissen mit Anderem“ auslegen; ihr Gebiet ist, wie wir sehen werden, auf die Bewußtseinswesen im Wirklichen des Gegebenen be- schränkt, und hat zu ihrer notwendigen Voraussetzung nicht nur, wie die Liebe1, ein Bewußtseinswesen als Liebendes, sondern wenigstens noch ein Bewußtsein als das Geliebte2. Die Liebe2 spielt sich also nur zwischen Bewußtseinswesen ab, wie wir nun genauer darlegen wollen. Ist Liebe2 das Sicheinswissen eines Geistes mit anderem, so sagt dies, das betreffende Bewußtsein „wisse“, daß es „eins 98