lung zeigt, als den aus Pflichtbewußtsein heraus urteilenden und zugleich auch beurteilten Geist, was ihm freilich auf Grund des Selbstbewußtseins ohne Frage möglich ist: dieser Umstand hat dazu verführt, aus dem aus Pflichtbewußtsein als „Gewissen“ heraus urteilenden Bewußtsein ein besonderes Bewußtseinswesen zu erdichten, das demselben beurteilten Be- wußtsein als einem anderen Bewußtseinswesen seine Zustim- mung oder Mißbilligueg oder Mahnung ausspricht. So wird aus der Doppelstellung des selbstbewußten Geistes im Pflicht- bewußtsein eben ein doppeltes Bewußtsein erdichtet, oder, bes- ser gesagt, die Doppelstellung des einfachen Bewußtseinswesens im Selbstbewußtsein veranlaßt zu der Dichtung zweier Bewußt- seinswesen, und so spricht man denn von dem „Gewissen in mir, das mich anklagt, mahnt“ usw. Nennen wir „Pflicht“ das Gebundensein wollenden Bewußt- seins an Gesetz oder an Gebot einer Einheit, zu der es selbst gehört, so besteht überall keine Pflicht ohne das Pflichtbewußt- sein; in diesem ja gründet sich, was wir Pflicht nennen, und pflichtig ist im eigentlichen Sinn nur, wer sich gebunden wreiß an Gesetz oder an Gebot. Pflicht wollen nennen wir da- her das Wollen menschlichen Geistes aus dem Bewußtsein her- aus, zu einer Einheit von Bewußtseinswresen zu gehören, sei sie Herrschaft — sei sie Lebenseinheit. Dieses Pflichtwollen aber ist nun entweder gezwungenes oder freies Wollen. Keineswegs steht es so, wie man vielfach annimmt, daß das Pflichtwollen menschlichen Geistes, der sich allerdings immer als pflichtbe- wußter an das Gesetz oder das Gebot seiner Einheit gebun- den weiß, in alle Wege Zwangs wollen sei. Dieses Gebun- densein des Bewußtseins führt freilich stets Notwendigkeit mit sich für das Wollen des Bewußtseins, das der betreffenden Einheit zugehört, eine Notwendigkeit aber, die sich gleicher- weise verträgt mit Willenszwang und Willensfreiheit. Immer- hin ist so viel richtig, daß eines menschlichen Bewußtseins Pflichtwollen, das auf das Wollen eines Gebieters gestellt ist, 38