einheit wollen, denn auf diesem Wollen beruht die Lebens- einheit selbst, das dem Gesetz der Lebenseinheit entsprechende Wollen trägt die Lebenseinheit. Trotz der gleichen Voraussetzung aber, die Lebenseinheitgesetz und Gebot zeigen, daß nämlich den betreffenden Bewußtseins- wesen die zwei Möglichkeiten, entsprechend oder widersprechend zu wollen, eignen und sie somit zum Naturgesetz in Gegensatz stehen, stellt sich das Lebenseinheitgesetz doch wieder zur Seite des Naturgesetzes und dem Gebote gegenüber, indem es Not- wendigkeit und Müssen für seine wollenden Bewußtseinswesen in Anspruch nimmt: Ein anderes ist es „wir sollen dies wollen“ und ein anderes „wir müssen dies wollen“. Besinnen wir uns nun weiter auf den Unterschied von Sollen und Müssen, so findet sich, daß „Sollen“ immer ohne alle Bedingung dasteht, also kein „wenn“ kennt. Darum gibt es eben keinen hypothetischen Imperativ, und kategorischer Im- perativ ist ein überschüssiges Wort. Jedes Müssen dagegen hat immer ein „wenn“ bei sich, ist immer an eine Bedingung geknüpft. Wir sagen: „die Figur muß als Winkelsumme 2r aufweisen, wenn sie ein Dreieck ist,“ was wir auch so kurz ausdrücken: „die Dreieckswinkelsumme muß 2r sein“; ferner heißt es, „dieses Einzelwesen, das ich aus dem Fenster werfe, muß zur Erde fallen, wenn es aus Eisen ist“, im Kurzwort: „Das aus dem Fenster geworfene Eisen muß zur Erde fallen“. Jeder Satz, der ein Sollen, ein Gebot ausdrückt, steht dagegen für sich da und ruft nicht nach einem Warum. Darum tötet auch, wann immer ein „du sollst“ an ein Bewußtsein gerichtet wird, dessen Frage „warum?“ sofort dieses Wort als ein Gebot, denn die Frage beweist, daß Herrschaftseinheit, ohne die das „du sollst“ keinen Sinn hat, nicht oder wenigstens nicht mehr besteht, indem das Bewußtsein als Untertan oder Diener, wie seine Frage „warum?“ unmißverständlich uns lehrt, fehlt. Mag auch das andere Bewußtsein den Soll-Satz noch verlauten lassen, was ist Gebieter ohne Diener, was Herr ohne Knecht? 29