er wollen muß, wenn er Lebenseinheitler sein und bleiben will. Die Sitte in die spanischen Stiefeln des Gebotes und Befehls einschnüren heißt tatsächlich der Lebenseinheit und damit auch der Sitte schlechtweg den Garaus machen. Wir leugnen selbtverständlich, wenn wir sagen, daß die Sitte unter keinen Umständen Gebot oder Forderung sei, nicht, daß Gebot und Forderung sich für ein Bewußtsein überhaupt doch finden können; betonen aber immer wieder, daß Gebot und Forderung in keiner Lebenseinheit, weder in der „Gesellschaft“ noch in der „Gemeinschaft^ von Bewußtseinswesen, sich finden. Darum kann auch angesichts der Gebote Gottes für das mensch- liche Bewußtsein von einer Lebenseinheit des göttlichen und des menschlichen Bewußtseins, sei es Gesellschaft, sei es Gemein- schaft, nicht die Rede sein; ein Gebieter findet sich niemals in Lebenseinheit mit dem Bewußtsein, dem geboten wird. Es ist darum immerhin eine Entgleisung, von dem Reiche Gottes als einem Gottesstaat zu reden, wenn anders das Wort „Staat" eine Lebenseinheit bedeutet; im „Gottesstaat‘" müßte sich nicht nur menschliches Bewußtseinswesen, sondern auch Gott selbst als ein Lebenseinheitler finden. Dasselbe gilt auch, wenn von einem Königreiche als von einem Staat, zu dem der König als besonderes Bewußtsein, aber als Gebieter für die andern dazu gehörenden Bewußtseins wesen in Frage kommen soll, gesprochen wird; es ist ja unschwer einzusehen, daß dabei „Lebenseinheit" und „Herrschaftseinheit“ zusammengeworfen werden, indem der König einmal in der Lebenseinheit unter dem Gesetze dieser Lebenseinheit, dann aber auch außer der Sitte oder dem Gesetze des Staates stehen, also Lebenseinheitler und doch auch nicht Lebenseinheitler sein soll. Es ist wohl versucht worden, diesem Widerspruch zu entgehen, indem man sagt, der König gehöre zwar ohne Zweifel zum Staat, aber er als Lebensein- heitler sei heilig, d. h. er sei ein Bewußtsein, dem von den beiden Möglichkeiten posse peccare und posse non peccare nur das zweite noch bestehe, so daß für das königliche Bewußtsein 2 Rehmke, Grundlegung der Ethik als Wissenschaft. 17