gen und dringender erscheinen, als die Frage „was ist sittlich?“ zu stellen und in erster Linie zu beantworten. Aber in den meisten Fällen geht man über diese Frage „was ist sittlich?“ einfach hinweg, als ob sich von selber verstünde, was sittlich heißt. Ich wiederhole aber, daß jede Wissenschaft, also auch die Ethik als Wissenschaft, Gegebenes voraussetzt, das sie erkennen, d. h. zu fragloser Klarheit bringen will. Alle Arbeit jedoch ist für die Wissenschaft verloren und alle Einführung in eine Wissenschaft vergeblich, wenn die Einzuführenden selbst nicht das „haben“, um was die besondere Wissenschaft als ihren besonderen Gegen¬ stand geht. Darum stellt die Ethik die Frage „was ist sittlich?“ Wir verstehen aber unter dem Sinn eines Wortes das Gegebene, dessen Ausdruck dieses Wort ist.1 Die Feststellung dieses Wort¬ sinnes hat es darum nicht mit diesem Worte als einem beson¬ deren Lautgebilde zu tun, oder, wie man sagt, mit dem „bloßen“ Worte, sondern vielmehr mit dem besonderen Gegebenen, dessen Ausdruck dieses Lautgebilde sein soll. „Ein Wort verstehen“ heißt wissen, wessen Ausdruck es ist, und dieses Wissen hat eben zur notwendigen Voraussetzung „Kenntnis“ des durch das Wort Ausgedrückten, das zur „Erkenntnis“ gebracht wer¬ den soll. 1 Siehe Rehmke „Logik“ 1, S. 325 ff., „Logik“ S. a86 ff. 4