EINLEITUNG Wissenschaft überhaupt ist das Unternehmen des mensch- lichen Bewußtseins, Gegebenes zur fraglosen Klarheit zu bringen. Wissenschaft setzt also in jedem Falle Gegebenes voraus für das Bewußtsein, das in dieses Unternehmen eintritt mit dem Ziele, dieses Gegebene fraglos klar zu haben. Das aber sagt zugleich, daß das Gegebene, da es durch dieses Unternehmen dem menschlichen Bewußtsein erst klar werden soll, ihm un- klar ist. Nur das von vornherein etwa fraglos klar Gegebene fügt sich selbstverständlich dem wissenschaftlichen Unterneh- men nicht, da die Klarheit, die das Ziel aller Wissenschaft be- deutet, inbetreff dieses Gegebenen ohne weiteres schon besteht. Alles dem Bewußtsein unklar Gegebene ist dagegen ohne Aus- nahme Gegenstand der Wissenschaft.* 1 Das Ziel aller Wissenschaft, die fraglose Klarheit, nennen wir auch die Erkenntnis. So dürfen wir denn, da alle Wissen- schaft ihren Gegenstand als Gegebenes schlechtweg voraussetzt, auch sagen, daß Kenntnis des Gegebenen der Erkenntnis immer vorausgehe: ohne Kenntnis keine Erkenntnis oder, was dasselbe sagt, ohne Gegebenes keine Wissenschaft. Sprechen wir nun von einer besonderen Wissenschaft, so ist Besonderes aus dem Gegebenen überhaupt der „Gegenstand“ dieser Wissenschaft. Jede Wissenschaft setzt demnach ihren besonderen Gegenstand wieder voraus, und niemand kann in eine Wissenschaft eingeführt werden, dem nicht ihr „Gegen- stand“ bekannt ist, als besonderes Gegebenes, 1 Siehe Rehmke „Philosophie als Grundwissenschaft“, S. 67 ff.; „Logik“ 1 S. 392 ff.; „Logik“2 S. 347 ff. 1 Rehmke, Grundlegung der Ethik als Wissenschaft. 1