Die Berliner Reaktion auf Hoffmanns Artikel vom 30. Januar stellte sich je¬ doch nur als Teil einer größeren Aktion heraus, die darauf zielte, den Chef¬ redakteur Hoffmann zu entfernen und die Landeszeitung in die Front der Blät¬ ter einzureihen, die die deutsche Politik bedingungslos unterstützten. Dies hatte ebenso grundlegende Auswirkungen auf die Stellung der Saarkatholiken. Wäh¬ rend Schlich und Bungarten sich bereit erklärten, „Richtlinien für die deut¬ sche Haltung der Landeszeitung für die Zukunft festlegen zu helfen“, jedoch sich entschieden gegen die Entfernung Hoffmanns wandten16, gelang es dem von Berlin entsandten Geheimrat Katzenberger in viertägigen Verhandlungen, die Mehrheit der Aufsichtsratsmitglieder der Landeszeitung für die Entlassung Hoffmanns am 10. Februar zu gewinnen17. Der Vertrag zwischen Hoffmann und dem Aufsichtsrat der Saarbrücker Druckerei und Verlag A.G. regelte zwar die finanzielle Zukunft Hoffmanns günstig, legte ihn aber auch darauf fest, daß er jede politische Tätigkeit bis zur Abstimmung und neue Zeitungs¬ gründungen binnen drei Jahren zu unterlassen habe18. Damit wäre einer der entschiedensten Gegner des Nationalsozialismus im Saargebiet ausgeschaltet gewesen. Hoffmann machte jedoch, indem er sich im Mai über den Vertrag hin¬ wegsetzte, diese Aussichten zunichte. Die Entfernung Hoffmanns machte allen denen, die sich noch nicht offen ge¬ gen die Rückgliederung an das Dritte Reich ausgesprochen hatten und Hoff¬ manns Konsequenzen nicht ziehen mochten, klar, daß die katholische Opposi¬ tion gegen den Nationalsozialismus sich nur noch auf dem Stimmzettel für die Abstimmung ausdrücken konnte. Mit Hoffmanns Entlassung hatte die deutsche Saarpolitik die katholischen Vorbehalte gegen das Dritte Reich in einem lang¬ wierigen Prozeß so weit zur Seite geschoben19, daß die Deutsche Front nun ihre endgültige Gestalt finden konnte. Obwohl Spaniol gemeinsam mit Röch¬ ling, Kiefer und Rechtsanwalt Steegmann in einem Schreiben an Hitler vom 20. Februar 193420 als Wortführer der Besorgnis über den Kirchenkampf im Reich auftrat, kamen die schon lange anhaltenden Spannungen zwischen der saarländischen und der pfälzischen NSDAP mit dem Ergebnis zum Abschluß, daß von nun an der Einfluß der NSDAP-Saar und ihres Landesleiters Spaniol vollkommen ausgeschaltet wurde. Der Gauleiter der Pfalz, Bürckel, wurde der wirkliche Leiter der Deutschen Front21. Bereits seit Herbst 1933 hatten Barth und Binder ihn darin bestärkt, die NSDAP aus dem Saargebiet vollkommen v. 10.2.34 an Schlich bekräftigte Vinde noch einmal Spaniols Äußerungen und schrieb, daß sie „in Wirklichkeit weit stärker und unversöhnlicher klangen“ (BistA Trier, Abt. 59 Nr. 61). 16 Erklärung beider v. 5.2.34 an die Adresse v. Papens: BistA Trier, Abt. 59 Nr. 61. 17 Bericht Schlichs v. 12.2.34 an Bischof Bornewasser: ebda. Dem Bericht Binders v. 17.2.34 an den bayer. Ministerpräsidenten (AA... betr. Kirchl. Fragen, Bd. 3) zufolge wirkte dabei auch Koßmann entscheidend mit. 18 Ein Durchschlag des Vertragsprotokolls v. 10.2.34 findet sich im BistumsA Trier, Abt. 59 Nr. 61. 19 Vgl. auch Z e n n e r , Parteien, S. 295. 20 BistumsA Trier, Abt. 59 Nr. 61. 21 Vgl. Z e n n e r , Parteien, S. 298ff., Kunkel, SPD-Saar, S. 41ff. sowie B a r t z , Weltgeschichte an der Saar, S. 34ff. 117