pfälzischen Saargebietsteil aus der Zeit vor 1933 der neuen Saarpolitik zugute25 *. Vor allem gehörte er trotz der Angriffe des NSDAP-Kreisleiters von Landstuhl, Knissel, gegen ihn etwa ab Juni 1933 zum Kreis der in Saargebietsfragen erfahre¬ nen Beamten, von denen der pfälzische Gauleiter Bürckel sich beraten ließ. Auch mit dem Beauftragten der NSDAP bei der Regierung der Pfalz, Schwitzgebel, schien gutes Einvernehmen zu herrschen, so daß mit Binder die gute Zusammen¬ arbeit von Partei und Bürokratie der Pfalz in der Saarfrage begann28. Dies wird noch deutlicher in der Laufbahn des ehemaligen Beamten der Regie¬ rungskommission Karl Barth, der seit 1932 im Dienste der Protestantischen Landeskirche der Pfalz als Oberkirchenrat stand. Bereits 1932 als Kandidat der NSDAP bei der Wahl des 1. Bürgermeisters in Kaiserslautern aufgestellt, jedoch unterlegen27, schien er der einzige mit der Saarfrage vertraute Beamte zu sein, den die Machtergreifung 1933 zumindest nicht überraschte. Anscheinend auf Jolas Anregung hin befaßte sich Barth wieder mit der Saarpolitik28, wurde jedoch erst im März 1934 formell von der pfälzischen Landeskirche beurlaubt, um Beauftragter des bayerischen Ministerpräsidenten zu werden, der im Dezember 1933 zum Bayerischen Generalbevollmächtigten für die Pfalz und die bayerische Saarpfalz ernannt worden war29. Bereits in dieser Funktion stand er in enger Beziehung zu Gauleiter Bürckel und wurde im August 1934 dessen persönlicher Referent30. Da der bayerische Ministerpräsident als Generalbevollmächtigter kaum Einfluß auf die Saarpolitik ausübte, hatte erst die Beziehung Barths zu Bürckel Bedeutung. Bürckels Rolle wurde jedoch erst da ganz offenbar, als er Nachfolger des Vize¬ kanzlers von Papen als Saarbevollmächtigter des Reichskanzlers wurde. Von Papen hatte dieses Amt seit November 1933 innegehabt. Schon im September 1933 hatte Hitler die Errichtung eines Reichskommissariats für das Saargebiet ange¬ regt31, ein Versuch, über die Federführung des Auswärtigen Amtes hinaus eine zentrale Leitung in der Saarfrage zu schaffen. Für den Vizekanzler schien die geplante Stelle in erster Linie dazu geeignet, die Gegensätze zwischen NSDAP 25 Zu Binders Tätigkeit: StA Speyer, Best.Bez.amt Kusel, Nr. 1149, 1379, 1416 I-III, 1424. 28 Jolas-Erinnerungen, Bd. 3, S. 124, 134. Fritz Schwitzgebel, geb. am 19. Sept. 1888 in Waldmohr (Pfalz), war vom 1.3.35 bis 1.9.37 Oberregierungsrat in der Schulabt. des Reichskommissariats für das Saarland, vom 2. Sept. 1937 an Oberbürgermeister von Saarbrücken. (Vgl. Kurzbiographie von Hanns Klein, in: Zschr. f. d. Gesch. d. Saargegend 19, 1971, S. 529). 27 Niedersehr, des Reg.dir. Barth, in: Jolas-Erinnerungen, Bd. 2, S. 328 und 335; Aus¬ kunft des StadtA Kaiserslautern v. 15.7.69. 28 Siehe Barths Denkschr. v. 23.9.33: AA ... betr. Pol.Ang.Allg., Bd. 54. Sie lobte be¬ sonders die bayerische Saarpolitik. 29 DAZ v. 7.12.33. Zu dieser Meldung notierte Voigt am 8.12.: „Der Beschluß geht einesteils darauf zurück, daß Bayern seit etwa 6 Monaten keinen eigentlichen Saar¬ referenten mehr hat, anderenteils darauf, daß in Bayern Meinungsverschiedenheiten bestanden, ob das Saar-Referat dem Ministerpräsidenten oder dem Minister Esser unterstellt werden sollte“ (AA ... betr. Tätigkeit des Vizekanzlers v. Papen als Saar¬ bevollmächtigten, 1 Band). 30 Jolas-Erinnerungen, Band 2, S. 237 u. Bd. 3, S. 134, 139; Aufzeichnung „Einrichtung eines Referats zur Vorbereitung der Volksabstimmung im Saargebiet“ (o. D.), am 3.3.34 an Binder übersandt (StA Speyer, Best.Bez.amt Kusel, Nr. 1416 II. 31 Vermerke der Reichskanzlei v. 21.9., 29.9. und 3.10.33: BA R 431/253, Bl. 231f. 94