sches Gewicht hatte, und vor allem nicht den bedeutenden Parteien zuzuzählen war1, spielte sie in der deutschen Saarpolitik vor 1933 kaum eine Rolle, wenn¬ gleich sie etwa von 1930 an von den Behörden im Reich beobachtet wurde. So fand die saarländische NSDAP in dem hier zugrunde liegenden Quellen¬ material aus Beständen deutscher Saarbehörden nur einen geringen Nieder¬ schlag, so daß ihre Geschichte vor 1933 lückenhaft bleibt. Heimatchroniken saar¬ ländischer Orte aus der Zeit nach der Rückgliederung befassen sich bisweilen mehr oder minder ausführlich mit den Anfängen einzelner Ortsgruppen. Das aus der Tatsache, daß die Partei 1933 im Reich zur Staatspartei wurde, hergeleitete Selbstbewußtsein läßt die Nachrichten der Ortschroniken nur mit Vorsicht ver¬ werten. Weiterhin sind Anfänge der saarländischen NSDAP aus Berichten der Regierungskommission an den Völkerbund bekannt, deren Darstellung, insbeson¬ dere zu Zeiten des Präsidenten Rault1 2, von der ablehnenden Haltung der Regie¬ rungskommission gegenüber dem deutschen Nationalismus beeinflußt ist. Die Berichte der Regierungskommission erwähnen Umtriebe der NSDAP jeweils im Zusammenhang mit der Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch Verbände von Rechts und Links, so daß sich besondere Charakteristika der NSDAP daraus nicht erschließen lassen. Die vorstehenden Mängel der Quellenlage bringen es mit sich, daß die Kenntnisse über die NSDAP-Saar sich auf die Ansätze zur Parteiorganisation beschränken. Es sind nicht einmal alle Gauleiter bekannt, Par¬ teiorganisationen nur in einigen Orten. Abgesehen von Hinweisen auf eine enge Verbindung saarländischer Nationalsozialisten zur NSDAP der Rheinpfalz3 blei¬ ben die Verbindungen der NSDAP-Saar zu anderen Mittelpunkten der national¬ sozialistischen Bewegung im Dunkeln. Die folgende Darstellung der NSDAP-Saar bleibt so Stückwerk, das beim Auftauchen neuer Quellen ergänzt werden muß. Offiziell wird die NSDAP zum erstenmal 1923 im Saargebiet genannt, ohne daß mehr gesagt werden kann, als daß es sich dabei um Einzelerscheinungen handelte. Wesentlich war der Hinweis auf die Verbindungen zur bayerischen NSDAP. Der Anschluß der etwa 70 Saarbrücker Nationalsozialisten an die Münchner Orts¬ gruppe der NSDAP bestätigt dies. Die Saarbrücker Ortsgruppe wurde am 12. 3. 1924 von der Regierungskommission verboten und war weiterhin, als völkische Bewegung getarnt, tätig4. Neben Saarbrücken war die am frühesten nachweisbare Ortsgruppe in Überherrn, die bereits 1923 einen Vorläufer in einer völkischen Gruppe hatte und sich 1925/26, getarnt als Segelflug- und Volksbildungsverein, 1 Vgl. Z e n n e r, Parteien, S. 251, deren Darstellung S. 25lff. im Nachstehenden gefolgt wird. 2 Ebda., S. 161 und 251. Deutlich wird die Absicht Raults, seine Notverordnungen von 1933 zu rechtfertigen, aus Schriftstücken im Röchling-Archiv Völklingen, Sign. A-K 36/294, die von einem undurchsichtigen Informanten aus Neunkirchen stammen. Hier wird eine Verbindung des französischen Nachrichtendienst-Majors Richert in Saar¬ brücken zum Münchner Putsch der NSDAP angedeutet, die beabsichtigt hätte, den bayerischen Separatismus zu fördern. Diese Verbindung bleibt unbewiesen, wie auch die Schrift von Karl Handfest „Zur frühen Geschichte der Nat.-Soz.Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) an der Saar“ (o. J.), S. 6 (StadtA Saarbr.) hervorhebt. 3 E c k e r , David, Kirkel-Neuhäusel und seine Burg, Saarbrücken 1938, S. 35. 4 Gutachtl. Stellungnahme des Archivrats Dr. H. Klein v. 5.6.61 zum Nachweis antisemit. Strömungen im Saargebiet vor 1935 in der Wiedergutmachungssache der Blandina K., S. 6 (StadtA Saarbrücken). 84