düng von Wiesbaden laufend ergänzt wurden. Die Ansprüche, die an die drei im Saargebiet weiter arbeitenden Filialen St. Ingbert, Neunkirchen und Homburg ge¬ stellt wurden, resultierten aus den in diesem Bezirk ansässigen Betrieben. Be¬ sonders stark machten sich die Ansprüche der Grubenverwaltung geltend. Hinzu kamen noch die ins Saargebiet ausgewichenen Betriebe und Behörden, die ihre übliche Bankverbindung nicht mehr in Anspruch nehmen konnten. So nahm zum Beispiel die Reichsbahn Homburg die Filiale regelmäßig mit erheblichen Lohn- und Gehaltszahlungen kurzfristig in Anspruch, da sie keine Möglichkeit mehr hatte, mit der Deutschen Verkehrs-Kredit-Bank, die in die Pfalz ausgewichen war, in Verbindung zu kommen392. Nach der Besetzung des Saargebietes durch die Amerikaner im März 1945 versuchte der Direktor der Deutschen Bank Filiale Saarbrücken in Verhandlungen mit den Amerikanern zu erreichen, daß die Deutsche Bank weiter ihren Verpflichtungen, insbesondere der Löhnung der Berg¬ arbeiter, nachkommen dürfe. Hierzu wurde jedoch ein Raum benötigt, da das zum großen Teil zerstörte Bankgebäude in der Kaiserstraße noch nicht wieder aufgebaut werden konnte. Die amerikanische Besatzung- wies ihm daraufhin die Räume der Stadthauptkasse Saarbrücken im Rathaus zu. Die notwendigen Gel¬ der zur Lohnzahlung befanden sich in den Tresoren der Zweigstellen in Neun¬ kirchen, St. Ingbert und Homburg. Die Deutsche Bank war somit die einzige Bank, die nach der Besetzung in Saarbrücken ihre Geschäftstätigkeit sofort auf¬ nahm. Am 20. April 1945 konnte die Bank im Rathaus mit dem Geschäftsbetrieb beginnen. Nach und nach wurden die Angestellten, die nicht in Gefangenschaft waren, von Wiesbaden abgezogen und in Sulzbach mit den einzelnen Abteilungen untergebracht. Gleichzeitig begann eine Saarbrücker Baufirma mit dem Wieder¬ aufbau des zerstörten Bankgebäudes393 394. Am 12. Juli 1945 besetzten die Franzosen das Saargebiet und begannen ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg das Saargebiet wirtschaftlich an Frankreich zu binden und politisch von Deutschland zu trennen. 1947 kamen sämtliche deut¬ schen Großbanken unter Sequesterverwaltung. Die Bestrebungen Frankreichs zeigten sehr bald, daß im Gegensatz zu der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg sämt¬ liche deutschen Banken das Saargebiet verlassen mußten. So arbeitete die Filiale in Saarbrücken nach ihrem Umzug ins wiederaufgebaute Bankgebäude in der der Kaiserstraße bis Ende 1947 unter Sequester. b) Die Arisierung jüdischer Betriebe und die Behandlung jüdischer Kundschaft durch die Deutsche Bank Filiale Saarbrücken Seit einiger Zeit wird dieses Thema wieder in der Öffentlichkeit diskutiert, da durch die Veröffentlichung eines Buches von Eberhard Czichon304 dieses Pro¬ blem hochgespielt wurde. Gerade das Problem der „Arisierung“ jüdischer Be¬ triebe bildete neben der Liquidierung den wichtigsten Faktor der antisemitischen 392 ASKB-DB-V-1, Bl. 167—169. 393 Unterredung mit Herrn Dr. Eduard Martin vom 10. Dezember 1971. 394 E. Czichon, Der Bankier und die Macht, Köln 1970. Vgl. Teilurteil des Land¬ gerichts Stuttgart vom 24. Febr. 1972 und Schlußurteil vom 27. Juni 1972, in denen Czichon rechtskräftig verurteilt wurde. 108