sei, ob überhaupt größere Markbeträge zu erreichen, diese bis zu diesem Zeit¬ punkt jedenfalls ausgeblieben seien. Sie schlug daher die „Verpfändung alles Mo¬ bilisierbaren“ vor342. Am 20. Juli versprach Minister Morize den Firmen auf Antrag ab 21. Juli Fran¬ kengelder gegen Verpfändung von Reichsmark. Diese Darlehn sollten in Höhe von 90°/o des Frankenbetrages, der sich durch Umrechnung der in Pfand ge¬ gebenen Reichsmark zum Kurs von 6,08 ergab, gewährt werden343. Über den Betrag zuzüglich der für einen Monat berechneten Zinsen sollte ein Wechsel aus¬ gestellt werden, der von der darlehnsnehmenden Firma (Bankkunde) angenom¬ men und mit dem Aval einer im Saargebiet ansässigen Bank versehen sein mußte. Die Regierungskommission verpflichtete sich, diesen auf Sicht ausgestellten Wechsel nicht früher zur Einlösung zu bringen, als die Umwechslung von Mark in Franken zu einem offiziellen Kurs praktisch möglich würde. Die Banken, die Industrie und vor allem Hermann Röchling weigerten sich, diese Bedingungen zu akzeptieren. Da sich die Lage jedoch nach dem 21. Juli etwas besserte, konnten sich die meisten Banken Franken über ihre Hauptstellen (Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft) oder durch Mitwirkung französischer Banken (Hermann Röchling) und teilweise auch durch die Unterstützung der Regierungskommission beschaffen344. e) Die Geschäftsentwicklung der Deutschen Bank (bzw. der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft), Filiale Saarbrücken von 1920 bis 1935 Die Geschäftsentwicklung der Deutschen Bank Filiale Saarbrücken war in der Periode 1920 bis 1935 durch zwei entscheidende äußere Merkmale beeinflußt: einmal ihre enge Bindung an die Zentrale in Berlin und somit an die Wirtschafts¬ situation im Deutschen Reich und zum anderen durch ihre Sonderstellung im Saargebiet auf Grund der Bestimmungen des Versailler Vertrages. Das Jahr 1919 wurde allgemein als ein Jahr der Bankenhochkonjunktur bezeich¬ net345. Sie erfuhr 1920 noch eine hohe Steigerung. Die Haupttriebkraft dieser Hochkonjunktur auf dem ungesunden Wirtschaftsboden der Nachkriegszeit, die Inflation, dauerte fort und drohte unter dem Druck der Erfüllung der deutschen Wiedergutmachungsverpflichtungen noch zügelloser weiterzuwachsen. Bei einer Betrachtung der Passivseite der Bilanz346 fällt vor allem der starke Anstieg der 342 Durch die verschiedenen Devisenverordnungen des Reichs durften weder Zahlungs¬ mittel noch Wertpapiere ohne ausdrückliche Genehmigung der Stelle für Devisenbewirt¬ schaftung versandt oder überbracht werden. Dasselbe galt auch für die Gewährung von Markkrediten an Ausländer und Saarländer. Ferner waren Termingeschäfte gegen Reichsmark über ausländische Zahlungsmittel oder Forderungen in ausländischer Währung oder über Edelmetalle verboten. Diese Verordnungen innerhalb der Devisen¬ zwangswirtschaft zeigen die Schwierigkeiten einer Markbeschaffung für das Saar¬ gebiet (ASKB-DB-D-1, Verordnung über die Devisenbewirtschaftung vom 1. August 1931, Bl. 303). 343 ASKB-DB-D-1, Bl. 241, Schreiben des Ministers Morize an die Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft vom 20. Juli 1931. 344 ASKB-DB-D-1, Bl. 240. 345 Frankfurter Zeitung vom 29. 6. 1921. 346 Vgl. Anlage 8. 94