Die zweitstärkste Position bildete die Provision mit 35 % des Gesamtertrages. Der Rest verteilte sich auf Erträge aus dem Wechseldiskont, dem Effektengeschäft, den Coupons, Sorten und den Kautionsprovisionen. Diese Posten waren jedoch klein gegenüber den Zinsen und Provisionen. Interessant sind die Überschüsse beziehungsweise Verluste auf dem Effektenkonto. Während 1901 das Effekten' konto einen Verlust ausweisen mußte, konnten die übrigen Jahre Überschüsse erzielen, wobei dieser 1904 mit 25 816,96 Mark sogar 14,2% der Gesamterträge ausmachte. Unter den Ausgaben rangierten die Zinsen auf das Gesamtkapita! von 1,8 Millionen Mark, die Rückstellungen für Dubiose und die Geschäftsunkosten an erster Stelle. Die Geschäftsunkosten stiegen 1901 und 1902 stark an und blie¬ ben dann in etwa gleich. 1904 wurde das Gesamtkaptial (Kapital der Teilhaber und Kommanditisten) geringer verzinst, um einen Verlust zu vermeiden166. Wurde in den Jahren 1898—1900 noch ein Gewinn erzielt, so war Louis Lazard in den folgenden Jahren bestrebt, einen Ausgleich auf dem Gewinn- und Verlustkonto zu erreichen. Seit 1901 arbeitete das Bankhaus ohne Reingewinn. Um verlustfrei abzuschließen, wurde vor allem an den Personalkosten eingespart. 1901 wurde das Fixum der Prokuristen gestrichen, die Tantieme und Gratifikation verringerten sich von Jahr zu Jahr. Diese Entwicklung zeigt, daß das Bankhaus Lazard, Brach & Co. in den letzten Jahren seines Bestehens nur noch versuchen konnte, geschäftlich liquide und durch eine straffe Ausgabenkürzung verlustfrei zu bleiben. Als Louis Lazard 1904 eine Zusammenstellung der Resultate des Bankgeschäftes von 1892 bis 1903 vornahm, erkannte er, daß das Geschäft 1898 bis 1902 durch die schlechte Leitung der Pro¬ kuristen ruiniert wurde167. Zu der Verschlechterung der Lage trug ebenfalls bei, daß eine Reihe Kunden „dubios“ wurden und ihren Verpflichtungen nicht nach- kommen konnten. Die Prozesse, die Verwertung von Kreditsicherungen und die hohen Rückstellungen und Abschreibungen bestätigen aber auch die Leichtfertig¬ keit des Bankhauses, mit der es Kredite vergab. Die geringere Liquidität und eine Geschäftstätigkeit ohne Rentabilität veranlaßten Louis Lazard, eine kapitalkräftige Großbank für die Übernahme der Bank zu suchen und die Firma Lazard, Brach & Co. zur Liquidation anzumelden168. 166 ASKB-B-1904. 167 ASKB-BMB-F-1, Bl. 13, Brief vom 1. Aug. 1904. Louis Lazard schreibt an seinen Schwager in Bochum, daß der Durchschnitt der Erträgnisse des Bankhauses trotz der beiden Jahre ohne Gewinn 6,20 ®/o in den Jahren 1892—1903 betragen habe. 168 Die Firma Lazard, Brach &c Co. wurde als Immobilienverwaltungsfirma weiter¬ geführt und erst am 27.5. 1941 gemäß § 31 des HGB gestrichen (ASKB-BMB-I-1, Bl. 9 und 10, Handelsregister-Auszug vom 27. 5. 1941). 50