Industrie nach dem Wegfall der Grenzen gegenüber Lothringen als Folge des deutsch-französischen Krieges 1870/71. Das Saarrevier war aus seiner Grenzlage herausgetreten und konnte nun unter neuen Perspektiven seine industriellen Mög¬ lichkeiten ausschöpfen60. So fiel die Gründung des Bankhauses in eine günstige Phase konjunkturellen Aufschwungs, der sich in allen Zweigen der Industrie bemerkbar machte. Jedoch bald danach beherrschte eine langanhaltende Stagna¬ tion Industrie und Handel im Deutschen Reich, die sich in den verschiedenen Wirtschaftsräumen auch verschiedenartig bemerkbar machte. Die Steinkohlenproduktion stieg von 2,7 Millionen Tonnen 1870 auf 4,1 Millionen Tonnen 1872, schwankte bis 1879 zwischen 4 und 4,5 Millionen Tonnen, erhöhte sich 1880 auf 5,2 Millionen Tonnen und stieg bis 1885 auf 6 Millionen Tonnen61. Infolge der Hochkonjunktur in den Jahren 1872/73 stiegen die Kohlenpreise stark an. 1872 kosteten 100 Zentner Kohle (mittlerer Wert) 18 Tir. 22 Sgr. 6 Pfg., 1873 bereits 28 Tir. 2 Sgr.62 Die staatlichen Gruben unter preußischer Verwaltung arbeiteten in diesen Jahren mit hohen Überschüssen63. In der allge¬ meinen Krisenzeit 1874—1879 sanken die Preise für Kohle, während sich die Überschüsse auf dem Stand von 1868 einpendelten. Um die Erträge aus dem Bergbau auf dem Normalstand zu halten, senkten die Grubenbehörden die Löhne. Betrug der durchschnittliche Schichtlohn 1874 noch 3,58 Mark, so sank er bis 1879 auf 2,99 Mark, erhöhte sich jedoch 1881 wieder auf 3,21 Mark und stieg bis 1886 auf 3,30 Mark an. Für den Bergbau an der Saar war somit die Zeit von 1874—1879 eine leichte Stagnationsperiode, die jedoch ertragsmäßig Normalzeiten gleichzusetzen ist. Etwas härter wurde die Eisenindustrie getroffen. Machten sich auch bereits 1865 freihändlerische Bestrebungen bemerkbar, auf Grund deren mit dem Zoll¬ vereinstarif vom 1. Juli 1865 der Roheisenzoll auf 1 Mark und der Stabeisenzoll auf 5 Mark für den Doppelzentner herabgesetzt wurden, so hatte die Eisen¬ industrie darunter, solange der Innenmarkt aufnahmefähig genug war, noch nicht zu leiden64. 60 J. B e 11 o t, Hundert Jahre, S. 100 ff. 61 G. Schuster, 200 Jahre Bergbau, S. 5^6 des Zahlenanhanges. Die Zahl der Arbeiter erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 15 662 1870, 20 305 1872, 23 140 1880 auf 26 281 1885. 62 Jahresbericht der Handels-Kammer pro 1872 und 1873. Überschüsse im staaatlichen Steinkohlenbergbau 1870—1885 1870 5,0 Mill. Mark 1875 15,2 Mill. Mark 1871 7,2 Mill. Mark 1876 9,8 Mill. Mark 1872 20,3 Mill. Mark 1877 7,4 Mill. Mark 1873 38,8 Mill. Mark 1878 5,1 Mill. Mark 1874 26,2 Mill. Mark 1879 6,8 Mill. Mark 1880 5.1 Mill. Mark 1881 6,5 Mill. Mark 1882 7,5 Mill. Mark 1883 8,0 Mill. Mark 1884 8,0 Mill. Mark A. Hasslacher, Entwicklung des Steinkohlenbergbaues 1904, Texttafel s. 64 H. MüHer, Übererzeugung, S. 25. 22