In der bisherigen Forschung ist man dieser Skepsis immer wieder gefolgt. Die Beispiele braudien nicht ausführlich genannt zu werden4. Aber es scheint doch fast allen entgangen zu sein, daß ein Zeitgenosse des Abbé de Camp von Signy (1693—1723) in der Diözese Reims, nämlich der Touler Kapuzinerpater Benoit Picart in seiner 1704 erschienenen Geschichte des lothringischen Herzogshauses — L’origine de la très illustre maison de Lorraine S. 153 f. — das gleiche Zitat bringt und als Quelle „la seconde cronique de Metz“ vermerkt5. Ja, Picart über¬ liefert — obgleich ihm dieser Satz nicht in sein genealogisches System paßt, da er ja nicht Richard von Metz, sondern Eberhard vom elsässischen Nordgau als den gesuchten Vater der drei berühmten lothringischen Geschwister Gerhard von Metz, Adalbert vom Saargau und Adelheid betrachten möchte, wodurch er dann gezwungen wird, Richard als Namens variante von Eberhard zu erklären — ganz ausdrücklich die Schreibweise Richeardrus: „en effet la seconde cronique de Metz porte Richeardrus“. Und er teilt dann vom weiteren Inhalt der Chronik noch folgendes mit: „La cronique ms. de Metz dit que Theodoric (= Bischof Dietrich I.) établit ce Richard comte de Metz, et plus bas, elle ajoûte qu’il avoit été l’héritier par sa femme des grands biens du comte Adalbert, d’où elle lui l’épitete de riche, Gerardus cornes nostrae civitatis filius Ricardi potentis“. Ist hier die Quelle des Abbé de Camp gefunden? Chronologisch ist das gut möglich. Betrachtet man sich nun einmal das Manuskript des Abbé de Camp selbst — man findet es in Paris, Bibi. Nat., Nouv. acqu. fr. nr. 7396 f. 258 und 448—454 (Table généalogique des Comtes de Metz) und f. 475—480 (Erläuterungen zur Tafel und nochmalige Reinschrift derselben: Origine de Gérard Duc de Lorraine) — und verläßt man sich nicht allein auf vage Möglichkeiten, so liest man auf f. 451 und auch andernorts mehrmals „Le P. B. de T. m’aprend que ...“ oder „Le P. B. de T. dit le 4 février 1700...“. De Camp beruft sich also immer wieder auf den Père Benoit de Toul, auf dessen Werk und auf die Korrespondenz mit ihm. Aus dessen Werk scheint also der betreffende Satz zu stammen. Heißt es doch in de Camps Tafel (f. 258): „Gérard I du nom, Comte de Metz, dans la seconde Chronique ms. de Metz dit: Gerardus Cornes noster filius Ricardi poten¬ tis“, womit hier Benoit Picarts Bezeichnung dieser Chronik wiederkehrt. Bestärkt wird man in einer solchen Auffassung, wenn man in de Camps Erläuterungen auch mehrmals den Satz über Papst Leos IX. Vorfahren, die aut regni aut im- perii retentaverunt habenas aut proximas regibus et imperatoribus gestaverunt in- fulas findet; gerade diesen hatte Père Benoit Picart auf S. 151 seines Buches, also 4 Vgl. E. Krüger, Der Ursprung des Hauses Lothringen-Habsburg (wie oben S. 120); H. Witte, Genealogische Untersuchungen I S. 55 Anm. 1; E. Kimpen, Rhein. Anfänge S. 8. 5 Lediglich L.-Col. L a r o s e , Etudes sur les origines du pape St.-Leon, S. 27 — 29, bemerkte dies, ohne indes Konsequenzen daraus zu ziehen; offenbar von ihm wieder¬ um abhängig G. Poull, La maison ducale de Lorraine (1968) S. 5 Anm. 6. 175