Exkurs „Gerhardus cornes nostrae civitatis, filius Richardi potentis“ Überlieferung und Quellenwert dieses einer Metzer Chronik entstammenden Satzes. Seitdem A. Calmet 1728 in seiner Histoire de Lorraine die älteren Bemühun¬ gen um die Klärung der Herkunft des lothringischen Herzogshauses darlegte und dabei auch auf die Manuskripte des Abbé François de Camp von Signy (1693 bis 1723) und dessen Versuch der Herleitung des lothringischen Herzogshauses von den Grafen von Metz zu sprechen kam1, spielt ein Satz in der genealogischen Forschung immer wieder eine vielbeachtete Rolle: Gerhardus comes nostrae civi¬ tatisy filius Richardi potentis. Calmet teilte mit, Abbé de Camp zitiere diesen Satz bei der Begründung seiner Auffassung, die drei berühmten Geschwister — Graf Gerhard von Metz, Graf Adalbert vom Saargau und Gräfin Adelheid, die Mut¬ ter Kaiser Konrads II. — seien Nachkommen des Grafen Richard von Metz; dieser Satz solle nach de Camps Angaben einer „Chronique ms. de Metz“ ent¬ stammen. Aber A. Calmet hat auch im gleichen Atemzug, als er seine historisch interessierte Umwelt auf de Camps hinterlassene Manuskripte aufmerksam machte, über diese den Stab gebrochen. De Camp habe alles getan, um nur das Haus Lothringen herabzusetzen und zu erniedrigen, und sein Bemühen, das Herzogshaus, das doch von den alten und berühmten Herzogen des Elsaß abstamme, von den Grafen von Metz herzuleiten, sei nur ein Mittel in seinen unentwegten Bemühungen gegen das Geschlecht2. Deshalb galt auch seine schärfste Kritik jenem Zitat: „La Chro¬ nique ms. de Metz dont il parle, nous est entièrement inconnue; il faudrait le voir, et sçavoir, d’où elle vient; et quand on la recevrait pour vrai, s’ensuivrait- il que Richard le Puissant serait Pere de Gerhard, d’Adalbert et d’Adelais? C’est là le noeud gordien; il faut le couper, ou le dénouer. Tous des Sçavans de l’Europe attendent les preuves de cette prétendue filiation“3. 1 A. Calmet, Hist. de Lorraine l. Aufl. I S. CXIII, 2. Aufl. I S. CXLIX. 2 A. Calmet, a. a. O. S. CXI: „M. l’Abbé de Camp, qui a toujours eu en vue d’abaisser tant qu’il a pû la Maison de Lorraine, a cru y réussir, en tâchant de faire voir qu’elle droit son origine des Comtes de Metz, pour avoir lieu d’en in¬ férer qu’ils ne venoient donc pas des anciens Ducs d’Alsace“; vgl. dort auch S. LX f. 3 A. Ca 1 m e t, a. a. O. S. CXIII, 2. Aufl. I S. CXLIX. 174