Dem Plural patres ist doch wohl zu entnehmen, daß damit nicht nur Graf Ger¬ hards Vater, nämlich der Graf Adalbert vom Saargau und von Metz, gemeint sein kann, sondern auch noch ältere Vorfahren. Das aber heißt, daß diese im Niedgau, im Saar- und Moselbereich, lebten und tätig waren, nicht im Elsaß! Gänzlich widerlegt wird die Auffassung einer elsässischen Herkunft der lothrin¬ gischen Herzogsdynastie aber durch den klaren zeitgenössischen Bericht Wipos über Herzog Gerhards Großvater Adalbert, dessen Bruder Gerhani und deren Schwester Adelheid, die Mutter Kaiser Konrads II.: Adelheida ex nobilis¬ sima gente Liutharingorum oriunda juerat. Quae Adelheida soror erat comitum Gerhardi et Adalberti273. Und dieses Zeugnis ist wohl deutlich genug274. Somit dürften nun die vielumstrittenen Fragen der Herkunft des lothringischen Herzogshauses und der mütterlichen Vorfahren Kaiser Konrads II. wie auch die Probleme um die Art der Verwandtschaft der Dagsburg/Egisheimer mit den Salierkaisern und den Lothringerherzögen wohl hinreichend geklärt sein. Die Anfänge des Hauses Lothringen-Habsburg liegen nun offen vor uns. 273 Vgl. oben S. 65. 274 H. Witte, Zur Abstammung des österr. Kaiserhauses, in: MIÖG 17 S. 392, möchte diesen Satz so verstanden wissen, daß Wipo mit der Betonung ex gente Liutharingorum nur auf Adelheids fränkische, nicht etwa alemannische Abstammung aufmerksam machen wollte; denn die im alemannischen Elsaß wohnenden Egis- heimer, mit denen Witte die drei berühmten Geschwister in Geschlechtsgemein¬ schaft bringt, seien ja bekanntlich Franken gewesen (Otto v. Freising, Chron. VI c. 33, über Leo IX.: oriundus ex nobili Francorum prosapia). Aber „fränkisch“ ist ein weiterer, „lothringisch“ ein engerer Begriff, und die Deutungsweise Wittes ist daher ganz unhaltbar. 153