Castro (= Longwy) gekennzeichnet sehen89. Adalbert, der Sohn Gerhards und Giselas, könnte also damals Longwy als Erbe jenes Liuthard und seines demnach wohl kinderlos verstorbenen Sohnes Manegaud angetreten haben, wodurch wie¬ derum eine nähere Verwandtschaft zwischen der „Verduner Grafengruppe“ und den Vorfahren des lothringischen Herzogshauses erneut spürbar zu werden scheint90. — Bei jenem Liuthard von Longwy kann man es aber — wie schon angedeutet — wohl kaum noch mit jenem Grafen Liuthard der Urkunde des Bischofs Wig- fried von Verdun vom Jahre 973 bzw. dem Liuthardus comes, der in der Ur¬ kunde des Chorbischofs Wigfried von Trier vom Jahre 967 genannt ist, ja der uns schon in einer Urkunde des Jahres 966 entgegentritt91, zu tun haben92. Denn in einer Urkunde für das Trierer Paulinuskloster erwähnt der dortige Erzbischof Egbert im Jahre 981 bereits Besitztum de beneficio Luthardi comitis, quod ipso mortuo sine berede aliquo ad proprios usus contigit93. Jene Besitzungen Liuthards, über die nun Erzbischof Egbert verfügen konnte, befanden sich in Kirf (10 km südwestlich von Saarburg/Saar), Sirzenich, Lorich, Heddert (jeweils bei Trier), Zerf und Greimerath (jeweils östlich bzw. südöstlich von Saarburg). Besonders die Lage der beiden letztgenannten Orte in der unmittelbaren Nähe von Lock¬ weiler macht deutlich, daß der hier als verstorben angezeigte Graf Liuthard iden- 89 MG SS X S. 492. — Laurentius von Lüttich, der Bearbeiter dieser Teile der Ver¬ duner Bischofsgeschichte, setzt auch bei anderen Orten ein castro nach den Ortsnamen — so etwa bei Duno castro für Dun-sur-Meuse —, so daß man nicht an der Identi¬ fizierung von Longwy zu zweifeln braucht. Der Zweifel an dieser Identifizierung bei L. S c h a u d e 1, Les comtes de Salm et l’abbaye de Senones aux XIIe et XIIIe siècles (1921) S. 16 ff., ist unbegründet. Vgl. dazu auch die schlagenden Beweis¬ stücke bei J. Vannérus, La première dynastie luxembourgeoise, in: Revue belge 25 (1946/47) S. 836 Anm. 1). 90 So schon G. Schenk zu Schweinsberg, Genealogische Studien S. 367. Oder sollte Longwy nur durch Kauf oder Tausch bzw. als Heiratsmitgift in Adalberts Hand gekommen sein? 91 Vgl. A. C a 1 m e t, Hist, de Lorraine 1. Aufl. I Pr. S. 377 f., 2. Aufl. II Pr. S. 220 f., vom 26. Oktober 966 zugunsten des Klosters Bouxières-aux-Dames. 92 Dies meint freilich noch H. Bloch in seiner Edition der Verduner Urkunden (Jahrb. d. Ges. f. lothring. Gesch. u. Altertumskunde 10, 1898, S. 439, Einleitung zu nr. 34) in Unkenntnis der in der folgenden Anm. zitierten Trierer Urkunde. 93 H. Beyer, Mittelrhein. Urkundenbuch I S. 312 nr. 255. — Bei diesem Stück handelt es sich zwar um eine Fälschung — vgl. O. Oppermann, Rheinische Urkundenstudien II: Die trierisch-moselländischen Urkunden (1951) S. 227 ff. —, doch erwähnt ein echtes Papstprivileg vom Jahre 1183 (H. Beyer, Mittelrhein. Urkundenbuch II S. 96 nr. 56) ein scriptum authenticum des Erzbischofs Egbert für St. Paulin, so daß es sich hier also nur um eine Umarbeitung und inhaltliche Er¬ weiterung einer echten älteren Urkunde handelt. Läßt man die Bestimmungen über die Vogtfreiheit des Besitzes und die Vorschriften über die Fürsorge für Gebäude und Gewänder und evtl, auch die Aufzählung der älteren, aber in der Zwischenzeit entfremdeten Schenkungsgüter St. Paulins als Fälscherzutat beiseite, so bleibt eigent¬ lich nur die Liuthard-Schenkung als echter Kern übrig. An dem wird man aber nicht zu zweifeln haben; vgl. schon E. Ewig, Trier im Merowingerreich (1954) S. 237 Anm. 64. 100