Rudolf III. von Burgund, mit Heinrich dem Zänker, dem Vater Kaiser Hein¬ richs II., zum Ausgangspunkt hatten. — Das Mitspielen der hohen Politik in den Eheverbindungen galt natürlich nicht nur für das Königshaus; bei den Adligen als Mitträgern des Reiches ist Entsprechendes zu beobachten. Welche politischen Möglichkeiten eine Ansippung an das Königshaus für einzelne Adlige bot, haben solche Männer wie Graf Boso von der Provence, der als Gemahl einer karolingischen Prinzessin die Usurpation selbst des Königtums wagen konnte, gesehen und Adelsfamilien wie die der Konradiner, der burgundischen Welfen oder der Liudolfinger geschickt genutzt. Wie andererseits politische Weiterungen aus den Ehen ihrer Töchter oder auch Schwestern befürchtet wur¬ den, läßt sich etwa am Verhalten Karls d. Gr., Ludwigs d. Fr., Lothars I. und Karls d. K. glänzend studieren. Der Eheabschluß war eben für alle führenden Schichten der fränkischen und desgleichen der frühdeutschen Zeit auch ein maßgebliches Politikum. Insofern ist es wohl keine müßige Beschäftigung, den genealogischen Verbindun¬ gen längst vergessener Generationen nachzuspüren; wir vermögen solchen Bin¬ dungen — indem wir sie feststellen und auswerten — manchen wertvollen Hin¬ weis für die Erhellung der politischen Geschichte und der gesamten Struktur einer Zeit abzugewinnen. Voraussetzung ist dabei allerdings, daß die Ermittlung genealogischer Gegebenheiten über das Stadium der Hypothesen hinausgedeiht und zu anerkannter Sicherheit — eben zur Wirklichkeit des Lebens in den ver¬ gangenen Jahrhunderten — voranzuschreiten vermag. Es darf dabei keine Mühe gescheut werden, zu dieser Sicherheit zu gelangen. In diesem Sinne mögen die nachfolgenden genealogischen Studien betrachtet werden. Genealogische Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte scheinen seit Jahr¬ zehnten — seitdem die urkundliche Überlieferung im wesentlichen, ebenso wie die annalistisch-chronikalische, der Gelehrtenwelt erschlossen vorliegt — kaum noch besonders fruchtbar zu sein und wirklich neue Ergebnisse bieten zu kön¬ nen. Die in Urkunden mitgeteilten Abstammungsangaben oder Verwandt¬ schaftshinweise sind in gleicher Weise erfaßt und verarbeitet wie die Nachrich¬ ten der erzählenden Quellen; und nur selten kann eine solche bislang über¬ sehene Angabe ermittelt werden. Solche „übersehenen Filiationshinweise“ sind umso rarer, je angesehener ein Adelshaus war und je durchforschter somit seine Geschichte ist. Für die Familien des höchsten Adels sind deshalb mit dieser rela¬ tiv einfachen (wenn auch sichersten) Methode schon seit geraumer Zeit keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich ihrer genealogischen Verbindungen und Herlei¬ tungen mehr erzielt worden; ja, solche sind — da die erzählenden Quellen wohl restlos erfaßt sind und da das Urkundenmaterial der Archive weitestgehend ausgeschöpft ist — auch kaum noch zu erwarten. Angesichts dieser Sachlage hat man seit langem nach Wegen und Möglichkeiten gesucht, den spärlichen Überlieferungsstoff mit Hilfe von Indizien und Kombi¬ 10