Gegensätze zu den anderen Parteien wurden zurückgestellt. Das Zusammen¬ gehen mit dem Zentrum wurde durch die bereits gekennzeichnete Haltung der Partei in der Frage der Konfessionsschule erleichtert33. Aber die Partei berücksichtigte auch die Sozialstruktur der saarländischen Bevölkerung. Durch die Vereinigung mit den Demokraten gewann die Par¬ tei einen demokratischen und sozialen Zug und unterschied sich darin von der Deutschen Volkspartei des Reiches. Das Parteiprogramm enthielt einen breiten Katalog sozialer Forderungen, insbesondere waren auch zwei wich¬ tige Wünsche der saarländischen Gewerkschaften mit aufgenommen, die Einführung des deutschen Betriebsrätegesetzes und die gesetzliche Festlegung des Achtstundentages34. Da die sozialpolitischen Forderungen der saarlän¬ dischen Arbeiterschaft zum Teil an der Regierungskommission und der fran¬ zösischen Bergwerksverwaltung scheiterten, geriet die Deutsch-Saarländische Volkspartei selten in Gegensatz zur Zentrumspartei und konnte auch Kon¬ troversen mit den Sozialisten oft vermeiden. Wie stark man hier zum Nach¬ geben neigte und aus nationalpolitischen Gründen die Arbeiterstruktur der Bevölkerung berücksichtigen mußte, wurde in den Landesratsdiskussionen über die Errichtung einer saarländischen Arbeitskammer im Jahre 1925 offenbar. Die Forderung der Errichtung einer Arbeitskammer war seit Jah¬ ren von Zentrum und Sozialdemokraten und allen Gewerkschaften erhoben worden, während das Parteiprogramm der Deutsch-Saarländischen Volks¬ partei von „Arbeiter- und Angestelltenkammern“35 sprach. Als die Regie¬ rungskommission schließlich einen Verordnungsentwurf zur Errichtung einer Arbeitskammer vorlegte, waren auch die Handelskammer und die Berg¬ werksverwaltung zur Begutachtung aufgefordert worden. Die Saarländische Handelskammer und Unternehmerorganisationen äußerten sich zu dem vor¬ gelegten Entwurf negativ. Das rief sofort Angriffe auf die Unternehmer- Abgeordneten der Deutsch-Saarländischen Volkspartei in einer Versamm¬ lung der Christlichen Gewerkschaften hervor36. Der Zentrumsabgeordnete und Gewerkschaftssekretär Peter Kiefer hielt in der Landesratssitzung am 16. März 1925 eine Rede, in der er den Unternehmerkreisen und der Deutsch-Saarländischen Volkspartei das nationalpolitisch Gefährliche eines solchen Vorgehens darlegte37. Der Sprecher der Partei, Dr. von Vopelius, und die Abgeordneten der Deutsch-Saarländischen Volkspartei stimmten daraufhin dem von den Parteien erarbeiteten Kommissionsentwurf bis auf kleine Abänderungen zu, und Vopelius stellte es so dar, als ob die Handels¬ kammer nur abgelehnt habe, weil der Entwurf ungenügend gewesen sei. Auf den Einwand Kiefers, die Deutsch-Saarländische Volkspartei sei für eine Arbeiterkammer und nicht für eine Arbeitskammer gewesen, betonte Vope¬ lius, seine Partei trete grundsätzlich für ein Zusammengehen zwischen Ar¬ beitgebern und Arbeitnehmern ein38. 33 Vgl. oben S. 162 und Anm. 73 ebenda. 34 S.Z. Nr, 5 v. 6. 1. 1924. 35 Ebenda. 36 Landesrat d. Saargeb., Sten. Ber. v. 16. 3. 1925, S. 22. 37 Ebenda, S. 3 f. 38 Ebenda, S. 22. 176