deutschen Eisen- und Schwerindustrie liefen die Bemühungen der Partei Röchlings30 und der Handelskammer Saarbrücken bei der Reichsregierung in Berlin wegen der Saarzollfragen31. Im Mai 1925 kam es bei Reichskanzler Luther im Beisein von Reichswirtschaftsminister Neuhaus zu einer Bespre¬ chung mit Vertretern der Deutsch-Saarländischen Volkspartei und der Han¬ delskammer. Zollstundungen für den saarländischen Import nach Deutsch¬ land wurden vereinbart, die allen saarländischen Unternehmungen, auch denen mit französischer Kapitalmehrheit, gewährt wurden. Dadurch blieb allen saarländischen Eisen- und Stahlwerken der deutsche Markt offen. Die gestundeten Beträge, für die bestimmte Sicherungen mit deutschen Banken vereinbart werden mußten, wuchsen rasch an und begannen besonders die französischen Industriellen an der Saar zu beunruhigen32. Diese übten des¬ halb bei der französischen Regierung einen starken Druck zum Abschluß entsprechender deutsch-französischer Zollvereinbarungen über die Saar aus. Da nach Errichtung der Zollgrenze gegenüber Deutschland am 10. Januar 1925 im Saargebiet tatsächlich eine Reihe Schwierigkeiten, auf die Parteien und Vertreter von Handel und Industrie vorher hingewiesen hatten, ein¬ traten, sprach auch die Regierungskommission in ihrem Bericht vom Januar 1926 von der Hoffnung auf deutsch-französische Vereinbarungen, durch die solche Schwierigkeiten beseitigt werden könnten33. So wurde eine Berück¬ sichtigung der saarländischen Forderungen möglich. Schrittweise wurde in den Jahren 1926 bis 1928 die Situation durch eine Reihe von Abkommen verbessert34. Dies geschah durch offizielle Staatsverträge wie durch die pri¬ vatwirtschaftlichen Abmachungen zwischen der deutschen, französischen, luxemburgischen und belgischen Schwerindustrie. Diese Entwicklungen be¬ einflußten sich gegenseitig. Die Ratifizierung eines ersten deutsch-französi¬ schen Saarzollabkommens scheiterte an den französischen Forderungen für die lothringische Schwerindustrie, die praktisch eine Gleichstellung der loth¬ ringischen und der saarländischen Produktion auf dem deutschen Markt bedeutet hätten35. Wichtig war aber bereits bei diesem ersten Abkommen, daß in seiner Präambel grundsätzlich die Notwendigkeit einer Sonderrege¬ lung für die Saar anerkannt war36. In zwei befristeten Zollabkommen vom August und November 1926 wurden besonders die Einfuhrwünsche der saarländischen Industrie für ihren technischen Bedarf und die Absatzmög¬ lichkeiten der saarländischen Industrie in Deutschland (Keramik, Glas, Ta¬ bak usw.) berücksichtigt37. Der deutsche Absatzmarkt für die saarländische Schwerindustrie wurde durch den Abschluß des internationalen Eisenpakts 30 Landesrat des Saargeb., Sten. Ber. v. 17. 11. 1925 (Nachmittagssitzung), S. 5, u. v. 11. 2. 1926, S. 31. 31 Röchling, a. a. O., S. 110ff., auch für die folgenden Ausführungen, 32 Ebenda, S. 112; Lambert, a. a. O., S. 156. 33 S.D.N. J.O. VII,3 (1926), S. 383, u. VII,5 S. 651; vgl. auch Metzger, a. a. O., S. 99f. 34 Übersicht über die Abkommen bei Keuth, a. a. O., S. 317; auch bei Rosting, a. a. O., S. 59 f. 35 Keuth, a.a.O., S. 314; Cartellieri, a.a.O., S. 240f. 36 Keuth, a.a.O., S. 315. 32 S.D.N. J.O. VII,12 (1926), S. 1602, u. VIII,3 (1927), S. 300 f. j К e u t h, a. a. O., S. 315 f. 146