gegen diese sozialistischen Tendenzen und machte geltend, daß dadurch eine Abwanderung des Kapitals von der Saar erfolgen könne4. In einer ersten Phase der Steuergesetzgebung beschritt die Regierungskom¬ mission durchaus selbständige Wege. Sie lehnte die Übernahme der Erz- bergerschen Steuerreform grundsätzlich ab und erklärte in ihren Berichten nach Genf, daß sie „une législation fiscale, adoptée à la situation particu¬ lière du Territoire et aux mœurs des habitants, qui réaliserait l’unité du régime d’impôt“ erstrebe5. Der Weg dazu wurde über die indirekten Steuern gesucht6. Das französische Steuersystem hatte diese Auffassung der Regie¬ rungskommission beeinflußt wie die Überzeugung des Kanadiers Waugh, daß auf diese Weise rasch eine Sanierung des Staatshaushalts zu erreichen sei7. Damit kein Widerstand der Lokalvertretungen gegen diese Steuern entstehe, erfüllte man deren Wunsch nach einer zwanzigprozentigen Besteue¬ rung des französischen Bergfiskus8. Trotzdem sprachen sich die gewählten Vertreter der Bevölkerung in Zukunft gegen diese Steuerverordnungen aus, weil sie keine Einsicht in das Budget besaßen und grundsätzlich indirekte Steuern ablehnten, ehe das direkte Steuersystem verbessert sei9. Neben der Einführung der indirekten Steuern wurden in den ersten Jahren einige deutsche Gesetze übernommen und erste Schritte zur Vereinheitlichung des Steuerwesens getan10. Die erste Phase der Steuergesetzgebung war eindeutig von der Konzeption der Regierungskommission geprägt. Ein zweiter entscheidender Schritt in der Ausgestaltung des saarländischen Steuerwesens geschah 1923. Sinn der umfassenden Steuervorlage war 1. eine Anpassung an die Umstellung der Währung in französische Francs, 2. eine steuerliche Gleichstellung zwischen dem preußischen und bayrischen Teil des Saargebietes und 3. eine angemessene Regelung des Steueranteils von Ge¬ meinden und Staat11. Diese Steuergesetze wurden in intensiver Zusammen¬ arbeit zwischen der Finanzkommission des Landesrats und der Regierungs¬ kommission bearbeitet12. Es gelang, eine weitgehende Übereinstimmung zwischen Volksvertretung und Regierungskommission zu erreichen. Die Landesrats Vertreter des Zentrums und besonders auch der Liberalen Volks¬ partei, die zusammen die Parlamentsmehrheit für diese Neuregelung dar¬ stellten, betonten ausdrücklich, daß die Zusammenarbeit vorbildlich gewesen sei und daß der Landesrat in der Bewilligung der Steuern der Regierungs¬ kommission für ihre Arbeit die notwendige finanzielle Basis habe sichern wollen13. Man erwarte allerdings auch, daß auf Grund der neuen finan¬ ziellen Voraussetzungen eine entsprechende Anhebung der Pensionen, Ren¬ 4 Ebenda. 5 S.D.N. J.O. 1,8 (1920), S. 73, und ähnlich 11,2 (1921), S. 204. 6 Ebenda: 1,8 S. 73. 7 Ebenda. 8 Ebenda: 1,8 S. 74. 9 Ebenda: III,3 (1922), S. 232. 10 Ebenda: 11,8 (1921), S. 844; IV,7 (1923), S. 752; Amtsblatt der Reg.-Kom. 1920, Nr. 250. 11 Landesrat d. Saargeb., Sten. Ber. v. 24. 11. 1923, S. 3; S.D.N. J.O. V,3 (1924), S. 446 f. 12 Landesrat d. Saargeb., Sten. Ber. v. 24. 11. 1923, S. 3. 13 Ebenda, S. 7. 133