bevölkerung zu Ungunsten Frankreichs vorverlegt161. Die Regierungskom- mission war betroffen, daß Dariac der Kommission keinen Besuch abge¬ stattet hatte, als er an der Saar weilte162. Rault klagte Colban und Gilchrist im Oktober 1922 bei deren Aufenthalt an der Saar: „The Governing Commission not only has to face this opposition on the part of the organized political element of the territory, but also the growing hostility in France.“ 163 Eine französische Finanzkommission besuchte im Herbst 1922 das Saar¬ gebiet und wollte die Frage der französischen Kohlensteuer durch Einsicht in das saarländische Budget überprüfen. Rault verweigerte der Finanz¬ kommission die Einsicht, gab dann aber der offiziellen Bitte Frankreichs statt164. Da Waugh gegen diesen Schritt Stellung nahm, verschärfte sich die Situation auch in der Kommission. In einem Brief vom 10. November 1922165 schrieb Waugh bereits an Gilchrist: „Believe me, when it comes to a choice between France and the League, the League takes a back seat every time.“ Erst jetzt wurde das Problem der Abstimmungen innerhalb der Kommission entscheidend. Waugh wies in demselben Brief darauf hin, daß Moltke-Huitfeldt keine selbständige Meinung vertrete, da er wegen seiner Wiederberufung auf Frankreich angewiesen sei, und auch Hector sei deshalb nicht wirklich unabhängig. Die Truppenfrage spitzte sich in den Verhand¬ lungen mit dem Sekretariat immer mehr zu. In diesem Augenblick erwiesen sich die französischen Mitglieder der saarländischen Regierung — fast noch stärker als Rault erscheint in diesem Augenblick sein Generalsekretär Morize als ihr Exponent — als wirklich abhängig von ihrer Regierung. Morize erklärte Gilchrist und Colban in einer Besprechung vom 3. Januar 1923166, daß die französischen Truppen als dauernde oder „semi-permanent“ Ein¬ richtung betrachtet werden müßten. Als Colban sein Befremden darüber ausdrückte, daß die Gendarmerie im letzten Jahr nur um 50 Mann vermehrt worden sei, fand Morize sich zu keinerlei Versprechungen für eine stärkere Vermehrung bereit. Colban insistierte in der Truppenfrage „M. Morize even openly stated that if the Council should decide to withdraw the French troops, the French troops, supported by the French Government might decide not to go. Then, he asked, what could you do?“ 167 161 Ebenda, S. 26 f. 162 S.D.N. Archives des Sect, du Secretariat, Sect. Pol. Sarre, Nr. 56, Dossier Général I: In einer vertraulichen Sitzung zwischen Colban, Morize und Gilchrist in Genf am 17. 8. 1922 legte Morize dar: „... the new attitude in certain circles in France headed by Monsieur Dariac who spent three or four hours in the Saar and never saw any member of the Gov. Com. The French Gov. was behind the Commission, but in view of this new developement, he felt that the Commission must stand where it was and not make more concessions to the political parties.“ 163 Ebenda, Bericht Gilchrists über seinen und Colbans Saarbesuch im Oktober 1922. 164 S.D.N., a. a. O-, Nr. 57, Aktenstück Waugh; Brief Waughs an Gilchrist v. 10. 11. 1922; außerdem S.D.N. Com. d. Gouv. Sarre, Pr.-V. v. 20. 1. 1923, S. 38 u. S.D.N. J.O. IV,8 (1923), S. 913 u. S. 922 f. 165 Vgl. Anm. 164. 166 S.D.N. Archives des Sections du Secrétariat, Sect. Pol. Sarre, Nr. 57,9: Troupes françaises. 167 Ebenda. 72