125 8 Vergleichende Analyse der Fallbeispiele Die eingangs postulierten Vernetzungstendenzen in den untersuchten Teilräumen des Saar-Lor-Lux- Raumes sollen zunächst durch eine vergleichende Analyse der Fallbeispiele verifiziert werden. Die nach- folgenden Ausführungen betrachten dabei, in Anlehnung an das in Kap. 1 skizzierte Bewertungsraster, sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte. Prioritäres Vergleichskriterium sind hier zweifelsohne die Inhalte der Kooperation, das heißt die jeweiligen Projektschwerpunkte, die Auskunft über Reichwei- te und Qualität der Kooperation geben können. Des weiteren spielen der Grad der Institutionalisierung sowie die Verbindlichkeit der Kooperation eine entscheidende Rolle. Ausgehend von den Ergebnissen der Gemeindebefragung und den Beobachtungen in den Teilräumen, sollen abschließend die aktuellen Hemmnisse der Kooperation aufgezeigt und bewertet werden. Erst vor diesem Hintergrund kann dann die Anwendbarkeit des Städtenetz-Ansatzes diskutiert werden (Kap. 9). 8.1 Inhalte der Kooperation Eine vergleichende Darstellung der Inhalte kann sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Form Rückschlüsse auf den „Entwicklungsstand“ der Kooperation bzw. den Grad der Vernetzung zu- lassen. Die Vorgefundene Bandbreite der Themen ist dabei ebenso ein Indiz für den Stellenwert der grenznachbarschaftlichen Abstimmung und Zusammenarbeit wie das (politische) Gewicht der Ein- zelthemen oder -projekte. Die nachstehende Tabelle faßt zunächst in synoptischer Form die themati- schen Schwerpunkte in den drei untersuchten Räumen zusammen. Während im Falle der Agglomération Transfrontalière du PED eindeutig die Bereiche Gewerbeflächenerschließung, Wirtschaftsförderung und Siedlungsentwicklung dominieren, stehen im Moseltal die Sektoren Tourismusförderung sowie Kultur, Bildung und Sport im Vordergrund. Die größte Themenbreite weist der Saar-Rosselle-Raum auf, dessen Schwerpunkte in der Siedlungsentwicklung, im Umwelt- und Naturschutz, der Ver- und Entsorgung sowie in organisatorischen Fragen (s. gemeinsame Antragstellung INTERREG II, Koope- rationsbüro etc.) liegen. Dieser quantitative „Vorsprung“ ist jedoch nicht überzubewerten, da es sich bei diesem Teilraum um das flächenmäßig größte und zugleich heterogenste Fallbeispiel handelt. Hinzu kommen die in Kapitel 7.2 genannten Besonderheiten eines grenzüberschreitenden Verdichtungsraumes, in dem erwartungsgemäß ein größerer Handlungsbedarf besteht als in den übrigen Teilräumen. Tab. 8: Inhaltliche Schwerpunkte der Kooperation Sachgebiet / Fallbeispiel PED Mosel tal Saar-Rosselle Siedlungsentwicklung • • - • • Gewerbeflächen / Wirtschaftsförderung #• • • Verkehrsinfrastruktur / ÖPNV • O • Tourismus O • • O Kultur / Bildung / Sport O • • • Umwelt- u. Naturschutz o • • • Ver- und Entsorgung • • • • Organisatorische Fragen • o • • (- = unbedeutend; O = wenig bedeutend; • = bedeutend; •• sehr bedeutend) Der Versuch einer qualitativen Klassifizierung der Kooperationsbereiche kann immer bloß eine Hilfskonstruktion darstellen, die anhand objektiver Bewertungskriterien nur bedingt untermauert werden kann. Natürlich eignen sich Themengebiete, die die kommunale Souveränität am wenigsten berühren,