18 3.1) . Wenngleich sich die vorliegende Arbeit einer der existierenden Abgrenzungen bedienen wird, soll hier dem Begriff Saar-Lor-Lux-Raum der Vorzug gegeben werden. Der Terminus Raum kann einerseits der relativen Homogenität des Untersuchungsraumes und seiner grenzüberschreitenden Beziehungen Rechnung tragen, ohne jedoch andererseits eine - hier nicht vorhandene - räumliche „Geschlossenheit“ zu suggerieren, wie es der Regionsbegriff unweigerlich tut. Der Begriff Region findet lediglich dann Verwendung, wenn er gängiger Bestandteil des Namens grenzüberschreitender Raumgebilde ist (z.B. Euroregion Neiße) oder aber als territoriale Verwaltungseinheit existiert (Frankreich, Belgien). Ferner wird von der regionalen Ebene der Zusammenarbeit die Rede sein, wenn Gebietskörperschaften und staatliche Stellen zwischen der nationalstaatlichen und der lokalen Ebene gemeint sind. Der im Zusam- menhang mit dem Saar-Lor-Lux-Raum häufig verwandte Begriff der Großregion ist angesichts der Unschärfe seiner Abgrenzung sowie der unterschwelligen Konnotation eines Großmachtdenkens abzu- lehnen. Ist von einzelnen Teilgebieten des Saar-Lor-Lux-Raumes die Rede, beispielsweise von den ihn konstituierenden regionalen Gebietskörperschaften, so findet der Begriff Teilräume Anwendung. Als Grenzraum wird ein Territorium entlang von Staatsgrenzen bezeichnet, das „in räumlicher und funktionaler Hinsicht zur lokalen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit einlädt, ohne hierfür notwen- digerweise ein geschlossenes System mit institutionell verfestigten einheitlichen Kooperations- mechanismen zu bilden“ (BEYERUN 1988:16). Es handelt sich im Falle des Saar-Lor-Lux-Raumes da- bei um einen etwa 30 km breiten Korridor beiderseits der Staatsgrenzen (MOLL 1992). Generell ist der grenznahe Bereich gemeint, in dem die Wirkungen der Grenze und die sie überschreitenden räumlichen Verflechtungen offensichtlich sind (vgl. Typisierung in Kap. 1.3.1.1). Untereinheiten dieses Grenzrau- mes, wie beispielsweise ein grenzüberschreitendes Industrierevier, werden als Teilgrenzräume bezeich- net. Unter kommunalen Gebietskörperschaßen sind die lokalen (Selbst-)Verwaltungsorgane zu verste- hen. Hierzu zählen die Städte und Gemeinden, auf deutscher Seite ferner die Kreise und Stadtverbände. In Frankreich werden die Departements mitunter ebenfalls als Collectivité locale bezeichnet, da sie in der französischen Kompetenzverteilung auch originär kommunale Aufgaben wahmehmen (s. Kap. 4.5.1) . Aufgrund ihres flächenmäßigen Zuschnitts und ihrer eher übergeordneten Verwaltungsfunktionen werden sie hier jedoch eindeutig der regionalen Ebene zugerechnet. Sonstige öffentlich-rechtliche Kör- perschaften auf kommunaler Ebene, wie z.B. Gemeindezweckverbände, stellen keine Gebietskörper- schaften dar. 1.3 Theoretische Grundlagen Grenzen und Grenzräume gehören zu den klassischen Gegenständen der Geschichtswissenschaften, Politikwissenschaften und Staatenkunde, aber auch der Anthropogeographie und ihrer Nachbardiszipli- nen (z.B. Raumordnung). Während die Politische Geographie sich schon sehr früh mit Grenzen im Sin- ne von Barrieren auseinandersetzte (vgl. Kap. 1.3.1), wurden Grenzräume .und ihre Entwicklungspo- tentiale in jüngerer Zeit, bedingt durch Auflösung, Zusammenwachsen und Nachwirkungen in den Köp- fen der Bewohner, zunehmend Gegenstand regionalgeographischer Ansätze (regional studies) und rau- mordnerischer Arbeiten (s. Städtenetze in Kap. 1.2.2). 1.3.1 Grenzen und Grenzräume al s Gegenstand der Politi sehen Geographie „International political boundaries provide the most obvious manifestation of the linkage between geography and politics “ Dennis Rumley & Julian V. Minghi (1991:2) Die Bildung der Nationalstaaten, die Abgrenzung der Kolonialgebiete und insbesondere die territoria- len Neuaufteilungen in Europa nach den beiden Weltkriegen haben Grenzen und ihre räumliche Wir- kung zu einem der wichtigsten Forschungsgegenstände der Politischen Geographie werden lassen.