14 Einleitung horchen der Schwerpunkt in die Gedanken selbst verlegt wird, ist die Stufe des eigentlich logischen Denkens erreicht. Dieses logische Denken ist ge- wöhnlich nicht nur durch die notwendige Nebenbeachtung der Gegenstände des Denkens gestützt, sondern hält sich zugleich an den sprachlichen Aus- drücken fest, darf aber nicht an diesen haften bleiben, sondern muß sich in die dünne und zunächst dunkle Atmosphäre der Gedanken selbst begeben, um sich hier verweilend festzusetzen. Diese verschiedenen Weisen, die Gedanken zu denken, ändern an dem Gehalt der Gedanken nichts. Vielmehr kann ein und derselbe Gedanke in diesen verschiedenen Weisen gedacht werden. Nur wird oft der Gedanke beim naiv-expressionistischen Denken dem ungewohnten Zurückgreifen ganz oder teilweise entschwinden und ihm zuweilen nur sein leeres sprachliches Kleid in Händen lassen. Übung jedoch wird dem logischen Rückgriff die Beute sichern und durch Entkleidung von den sprachlichen Formen den unverletz- ten Gedankenleib darbieten. Dieser logische Rückgriff auf die gedachten Gedanken wird nicht notwendig in zeitlicher Folge dem Denken der Ge- danken erst nacheilen, sondern schließlich in wachsamer Darüberlagerung das Denken der Gedanken von vornherein begleiten und schon bei der Geburt der Gedanken anwesend sein können. Zur logischen Untersuchung freilich muß sich auf alles dieses nun noch ein zweites Denken aufbauen, ohne daß das erstere verweht. Es müssen Akte der Vergleichung, der Unterscheidung, der Erfassung des Gemeinsamen und des Verschiedenen, der Zerlegung, der Wegnahme und Hinzufügung von Elementen — dies letztere allerdings mit gleichzeitiger Ingangsetzung der unterbauenden Akte — stattfinden, um über das bloße logische Schauen der Gedanken zu Erkenntnissen über sie zu gelangen. Die Schwierigkeit des logi- schen Zurückgreifens, das ungewohnte Arbeiten mit den dünnen feinen Fäden der Gedankengespinste machen das logische Denken und Forschen für die meisten Menschen zu der so überaus ermüdenden und unfruchtbaren Tätigkeit, der sie wohl mit scheuem Respekt, zugleich aber mit gehässiger Entwertung gegenüberstehen. Noch andere Weisen, Gedanken zu denken, lassen sich feststellen, kommen aber für die Logik weniger in Betracht. So können z. B. Gedanken anderer Menschen durch sprachliche Mitteilung auf genommen und gedacht werden, ohne daß man sie sich zu eigen macht., indem man etwa Urteile bloß mit- denkt, ohne zugleich von sich aus in gleichem oder entgegengesetztem Sinne zu urteilen. Oder man denkt »in Gedanken« das, was einem ein anderer sagen und was man ihm darauf antworten würde. Indessen für die Logik