398 VII. Die Erneuerung der Dialektik in der Gegenwart besagt, so enthält er dennoch seinem Wesen nach im Prinzip „den Ziel-, Sinn- und Maßstabsgedanken“. „Es ist daher möglich und nötig, den Entwicklungsbegriff vereinzelt und für sich einer rein logischen Untersuchung zu unterziehen, wo sich zeigen wird, daß schon in den ersten und einfachsten logischen Voraussetzungen und Anwendungen die Richtung auf den Gedanken einer universal- historischen Entwicklung steckt“ (S. 656). Und wie er diese Entwicklung im dialektischen Sinne auffaßte und ihren Begriff für die Eigentümlichkeiten und Zwecke der Historik dann als passend anerkannte, wenn er dialektisch verstanden wurde, also in strenger Gegensätzlichkeit zu jeder eindeutig mechanistischen, statischen, kausal-rationalistischen Auffassung des historischen Geschehens, so war er auch darauf eingestellt und bedacht, diese Dialektik bei den von ihm behandelten Denkern und Geschichts- forschern zu unterstreichen und herauszuarbeiten. Er rühmt Hegels Philosophie darum, weil sie auf Grund ihrer Dialektik „die erste große Theorie der historischen Dynamik“ darstelle (S. 241). Denn auf diese Weise gelinge es Hegel, die Pflicht jedes großen Historikers und Geschichtsphilosophen zu erfüllen, nämlich den „Pulsschlag des Lebens“ zu erlauschen. In ihr zittert dieser Pulsschlag, zittert seine Rhythmik wieder. Er erblickt in dieser Dialektik „das Abstraktum der historischen Bewegung an sich mit dem Versuch, daraus einen festen logischen Begriff zu schaffen. Alles andere ist in Abwandlung ihrer oder im Gegensatz zu ihr erwachsen, ohne daß sie dabei jemals vollständig beseitigt worden wäre. Ihre Form ist zerbrochen, aber ihre Motive leben fort.“ Sie äst also die philosophische Methode und Formulierung für„das schon in derempirischen Forschungverborgene logisch-dynamische Element“, dessen universale Bedeutung durch sie und in ihr erfaßt und nutzbar gemacht wird. „An den Begriff der historischen Dialektik ist daher alle Untersuchung über historische Dynamik anzuknüpfen“ (S. 241—242). Nichts Geringeres leistet sie, als daß sie den Gedanken der lebendigen Einheit des Geschehens ver- bindet mit dem nicht minder wichtigen Gedanken der individuellen Besonderheit realer und gegensätzlicher Gestaltungen. So ist erst durch sie der Begriff des historischen Werdens in seiner Eigentüm- lichkeit zu logischer Fassung gelangt (S. 246—247). „Denn das Wesentliche in der Geschichte ist für ihr Verständnis das Gesetz der Bewegung selbst, in dem Individuelles und Allgemeines an jedem Punkt ursprünglich und konkret vereinigt ist und doch alles einzelne aus der Bewegung hervorgeht und in die Bewegung zurück-