5. Die ewige Dialektik und Problematik der Metaphysik 389 Erfüllung dieser Pflicht läßt die ungeheure Problematik offenbar werden, die mit dem Begriff des Absoluten verbunden ist, und auf die wir im obigen schon wiederholt hingewiesen haben. Aber jenes Beziehen des Endlichen auf das Unendliche schließt nicht die Forde- rung der vollständigen Hineinhebung des Endlichen in das Un- endliche in sich. Denn eine solche Hineinhebung wäre eine vernunft- widrige Beseitigung des Endlichen. Bekanntlich ist es der Fehler aller Empiriker und Relativisten, keinen Blick für die Eigenart der Idee des Absoluten zu haben und um des Endlichen und Relativen willen dem Absoluten die Eigenheit und Objektivität seines Sinnes rauben zu wollen. Umgekehrt ist es das grundsätzliche Versehen aller einseitigen Absolutisten und absolutistischen Metaphysiker, den Eigenwert des Endlichen und die unauslöschliche Spannung zwischen dieser Autonomie und derjenigen des Absoluten zu ver- kennen und zu unterdrücken. Wenn wir hier überall natürlich für die Autonomie des Absoluten und des Metaphysischen eintreten, so schließt diese Stellungnahme die Anerkennung des Selbstwertes der Geschichte und ihrer Relativitäten nicht nur nicht aus, sondern sie fordert diese Anerkennung geradezu. Die Leugnung einer dieser beiden Autonomien oder auch nur der Versuch zur leisesten Minde- rung der Geltung dieser beiden Eigenwerte ist eine bare Gewalt- tätigkeit und Ungerechtigkeit. Zumal für eine Metaphysik der Dialektik, die zugleich die Dia- lektik der Metaphysik behandelt und darstellt, ist die nachdrückliche Anerkennung sowohl der Apriorität und Autonomie des Metaphy- sischen als auch diejenige der Apriorität und Autonomie des Ge- schichtlichen eine schlechthin unaufgebbare Notwendigkeit. Mögen frühere Zeiten und frühere Systeme sich auf Grund irgendeines metaphysischen oder religiösen Dogmatismus der Autonomie der Geschichte zu entwinden imstande gewesen sein, mag eine solche Entwindung auch nur die Bedeutung einer Beruhigung gehabt haben — uns jedenfalls ist der Gedanke an eine solche restlose Befreiung von allem Endlichen und der Glaube an einen vollständigen Sieg über die Geschichte nicht möglich. Nachdem wir einmal den mehr- fach angedeuteten Prozeß der Historisierung durchgemacht haben, müssen wir mit denjenigen Erlebnissen, Erkenntnissen, Wertungen, Überzeugungen rechnen, die er als Ergebnisse in unserem Geiste und in unserem intellektuellen, moralischen, seelischen, weltanschaulichen Verhalten zurückgelassen hat. Hinfort darf keine Metaphysik die Beziehungen zur Problematik der Geschichte mißachten oder ver-