296 IV. Die Metaphysik der Dialektik gesprochen werden. Jetzt sei zunächst der kurze Überblick über die dialektischen Spannungen im Zeitbewußtsein vollendet. 4. Der Ring dieser Spannungen schließt sich insofern, als der Technizismus auf der einen und der Historismus auf der anderen Seite untereinander auch in dem Verhältnis einer Dialektik stehen. Es handelt sich jetzt aber nicht um eine rein theoretische Dialektik. Diese Art der Dialektik prägte sich bereits in dem Gegensatz zwischen mathematisch-rationalistischer und philologisch-historischer Er- kenntnis aus. Was wir jetzt meinen, ist nicht dieser theoretische Gegensatz, sondern ein weltanschaulicher Gegensatz, d.h. Technizismus und Historismus gelten uns nicht bloß als Erkenntnis- formen, sondern als Weltanschauungsformen und von hier aus sogar als zwei verschiedene Weltformen. Wir stehen damit vor einer weltanschaulichen Dialektik. 5. Alle weltanschauliche Dialektik weist aber über sich hinaus bzw. in sich hinein und hinter sich zurück. Sie weist hin auf eine Dialektik in der Grundeinstellung des vernünftigen Geistes, auf eine Dialektik in der Haltung der Vernunft selber und damit im Wesen der Vernunft. Diese Dialektik sei als metaphysische Dialektik bezeichnet. Zu begrifflicher Ausprägung gelangt sie in den beiden metaphysischen Grundstandpunkten des Dogmatismus und des Kritizismus. So werden wir dann von dieser metaphysischen Dialektik zwischen Dogmatismus und Kritizismus zu handeln haben. Das ist keine Dialektik mehr, die in erster Linie für die Geistesart unserer Zeit bezeichnend und aus dieser heraus zu verstehen wäre. Sie hat vielmehr einen typisch überlegenen, einen typisch philosophischen Charakter; sie ist eine dialectica perennis.