IV. Die Metaphysik der Dialektik. 1. Die Dialektik der philosophischen Lösungen: Die Dialektik der Form. Jede wahrhaft philosophische Problemlösung und Entscheidung trägt in sich eine ebenso charakteristische wie untilgbare Span- nung. Das lehrt die Untersuchung und Betrachtung jedes einzelnen philosophischen Systems; das lehrt nicht weniger aber auch die ver- deutlichende Vertiefung in das Wesen und in den Begriff der Syste- matik der Philosophie überhaupt. Diese überall wirksame Spannung besteht in der Gegensätzlichkeit zwischen der in sich ruhenden, aus der Freiheit der Spekulation aufsteigenden und also in sich abge- schlossenen Vernünftigkeit des Sinnes, die sich in jedem System und in jedem Systemteil offenbart, auf der einen Seite und der gleichfalls wohlbegründeten, durch keine Vernunftabsolutheit zu be- seitigenden Vorläufigkeit, Unvollendetheit und Unvollendbarkeit der Arbeit in und an der Philosophie auf der anderen Seite. Es macht die Größe, aber auch das Schicksal dieser Arbeit aus, daß sie, sofern der Geist der Philosophie wirklich in ihr lebt, in jedem Zuge den Stempel der Endgültigkeit und einer sozusagen einwandfreien In- diskutabilität aufweist und in dieser Unbedingtheit doch zugleich über jede, durch konstruktives Denken erreichte Stufe mit Not- wendigkeit hinausdrängt. Durch jene in ihr waltende Vernunftabsolutheit und Vernünftig- keit gehört die philosophische Arbeit dem erdentbundenen, auto- nomen Reich einer überzeitlichen, übergeschichtlichen, überpersön- lichen Idealität an. Alles Konkrete, besonders alles Konkret-Mensch- liche ist unterdrückt und ausgelöscht; lediglich die kalt fortschrei- tende Gesetzlichkeit des reinen, im wahrsten Verstände übermensch- lichen Denkens soll hier herrschen. Sie will ausgesprochenermaßen selber eine jener absoluten platonischen Ideen darstellen, von denen sie in einer ihrer großartigsten Aufschlüsse Kunde gibt. Sie sucht jegliche Abhängigkeit von irdischen Einflüssen und Beziehungen