7. Dialektizismus — Identitätssystem — Parallelismus 185 geben werden kann.) Denn kein Mensch mit Verstand vermag zu begreifen, was die Behauptung eigentlich bedeute, daß zwei Sub- stanzen in einem Parallelitätsverhältnis zueinander stehen oder sich befinden. Welches Kriterium bietet sich, um ihr Verhältnis gerade als das der Parallelität, doch eine mathematische Bestimmung, zu fassen? Innerhalb der mathematischen Konstruktion hat der Ge- danke der Parallelität oder des Sichentsprechens einen guten, einen gültigen Sinn. Handelt es sich hier doch um zwei, kraft des Denkens als parallel konstruierte oder als parallel gedachte Größen, um Größen, die einer und derselben Seinsweise und Seinsrichtung angehören, eben der mathematischen, die deshalb derselben Logik unterstehen und der- selben geistigen Dimension eingegliedert sind. Sie sind bereits kraft ihres gemeinsamen Ursprungs und des ihnen gemeinsamen Erzeu- gungsfaktors, nämlich der Spontaneität des Logos, „parallel“. Sie sind ferner parallel, weil sie in ihrer Natur so gedacht, so erdacht sind, daß diese Parallelität weiter kein Wunder ist. Und nur mathe- matische Gebilde (Linien, Flächen) können auf Grund dieser Her- kunft aus der mathematischen Erkenntnis in diesem — rein mathe- matischen — Verhältnis zueinander stehen. Aber alle diese, für die Parallelität maßgebenden und sie ermöglichenden und erzeugenden Voraussetzungen fallen bei der Theorie des substantialistischen (in einer engeren Form: psycho-physischen) Parallelismus schlechter- dings weg. Es ist ein Spiel mit Worten, zu behaupten oder auch nur zu vermuten, daß zwei Substanzen und dazu noch zwei Sub- stanzen, die ihrem Wesen und Sinn und ihrer Begriffsbestimmung nach die Antipoden zueinander sind, in jenem mathematischen Verhältnis der Parallelität miteinander stehen. Mit diesem, in dem vorliegenden Falle gänzlich leeren, gänzlich unangebrachten und abwegigen Ausdruck wird nichts als eine Verlegenheit und nichts als ein, aus schiefen Voraussetzungen herausfließendes und deshalb auch ganz schiefes Geheimnis umschrieben. Das Land der Metaphysik ist, so möchte ich ein bekanntes Bild Kants abwandeln, überall von Geheimnissen umlagert. Das jedoch sind echte und tiefe, mit logischer Notwendigkeit sich dialektisch ergebende Geheimnisse, keine Scheingeheimnisse. Die ganze Parallelismustheorie ist, falls sie nicht überhaupt eitel Mystik ist, wie in derTat bei einigen ihrer Vertreter, eine langatmige Redensart. Erst unternimmt sie eine schon von Anfang an unzulässige Hypostasierung und Substantialisierung zweier Begriffe, dann reißt sie, was nicht weniger unzulässig ist, diese Hypostasen absolut auseinander, zerbricht damit das Denk-